Die Lebenden Toten und Geisterkrankheiten in Mittelalterlichen Isländischen Sagas

Im Jahr 2014 veröffentlichte die Forscherin Kirsi Kanerva eine Studie mit dem Titel “Disturbances of the Mind and Body: Effects of the Living Dead in Medieval Iceland”. Kanerva untersucht Berichte aus Texten wie der Flóamanna saga, in denen die ruhelosen Toten als körperliche Wiedergänger auftreten. Laut der Forschung glaubte man, dass diese physischen Geister bei den Lebenden schwere Angst, Wahnsinn, Krankheit und sogar den Tod verursachten.
Die Arbeit beleuchtet das Konzept von ‘sóttir’, also Krankheit, innerhalb der mittelalterlichen isländischen Weltanschauung. Forscher merken an, dass Symptome, die ein modernes Publikum in geistige oder körperliche Kategorien unterteilen würde, historisch als rein körperlicher Natur betrachtet wurden. Physische Krankheiten, die Geistern zugeschrieben wurden, waren eng mit emotionalen Erfahrungen und geistigen Störungen verflochten. Für Interessierte an Folklore und Okkultismus veranschaulichen diese Erkenntnisse, wie historische Kulturen die Beziehung zwischen dem Übernatürlichen, dem Geist und dem physischen Körper verstanden.