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Slawische Zauberkundige in alten serbischen Maerchen

Slawische Zauberkundige in alten serbischen Maerchen - Die Zauberkundigen in alten serbischen Maerchen sind keine Schurken. Sie heilen Kranke und verhandeln mit Erdgeistern. Vier Erzaehlungen von Karadzic, Stefanovic und Novakovic und das, was sie von der vorchristlichen slawischen Welt bewahrt haben.

Das serbische Wort fuer Zauberkundigen lautet vrač. Es stammt aus derselben Wortwurzel wie vračanje: Heilen. Nicht Zaubersprueche, sondern Heilen. In Belgrad traegt sogar ein ganzer Stadtbezirk noch diesen Namen: Vračar, benannt nach den Heilern, die sich dort einst versammelten. Das sagt einiges darueber aus, was “Magie” in der alten slawischen Welt bedeutete, bevor das Christentum ihren Wortschatz neu ordnete.

Die Maerchen, die im Serbien des 19. Jahrhunderts gesammelt wurden, bewahren Gestalten, die sich nicht sauber ins Englische uebersetzen lassen. Sie werden einfach alte Maenner und alte Frauen genannt, aber sie kennen deinen Namen, bevor du ihn aussprichst, und holen Tote mit Kraeutern ins Leben zurueck. Sie sind Vermittler zwischen der Menschenwelt und dem, was darunter liegt.

Vier Erzaehlungen aus drei verschiedenen Sammlungen zeigen dieses Muster besonders deutlich. Hier ist, was in ihnen geschieht und woran diese alten Gestalten vielleicht erinnern.

Drei Sammler, eine verlorene Welt

Zwischen 1821 und 1871 taten drei serbische Gelehrte etwas Dringendes, ohne ganz zu wissen, was sie da eigentlich retteten: Sie schrieben auf, woran sich die Bauern noch erinnerten.

Vuk Stefanović Karadžić (1787–1864) war der Groesste der drei. Er reformierte die serbische Sprache, standardisierte ihr Alphabet und veroeffentlichte 1821 in Wien seine erste Sammlung von Volksmaerchen. 1853 folgte eine zweite, erweiterte Ausgabe, gewidmet Jacob Grimm, der das Vorwort schrieb und Karadžićs Arbeit zuvor bereits im deutschsprachigen Raum gefoerdert hatte. Karadžić reiste durch Serbien, Bosnien und Kroatien und schrieb auf, was Bauern und Erzaehler im Gedaechtnis trugen. Seine Sammlungen bewahrten Geschichten, fuer die es sonst keine schriftliche Ueberlieferung gab.

Đorđe Kojanov Stefanović veroeffentlichte 1871 in Novi Sad seine Serbian Folk Tales. Weniger beruehmt als Karadžić, sammelte er Geschichten aus Gemeinschaften, in denen die alten Vorstellungen noch dicht unter der Oberflaeche lagen. Ich habe seine Sammlung ins Englische uebersetzt als Serbian Folk Tales, und was mich bei der Arbeit daran am meisten traf, war, wie anders seine Zauberkundigen waren als alles bei Grimm oder Andersen. Keine Bosheit, keine Pakte mit dem Teufel, nur Wissen und Verpflichtung, und ein Stab aus Gold.

S. Novaković veroeffentlichte Maerchen im Srpski Letopis, der Zeitschrift der Matica Srpska in Budapest, einer der aeltesten ununterbrochen erscheinenden Literaturzeitschriften der Welt (gegruendet 1824). Sein Beitrag im Jahrgang 1862 enthielt “Der Mann mit dem weissen Bart”, eine der seltsamsten Erzaehlungen im serbischen Maerchenkorpus. Es liest sich weniger wie ein Maerchen als wie eine Anleitung, wie man einen sicheren Platz fuer ein Haus findet, ueberbracht von jemandem, der die Erde sprechen hoeren kann.

Diese drei Maenner hielten nicht “Folklore” im niedlichen Sinn fest. Sie zeichneten die Reste einer vorchristlichen Weltsicht auf, die Jahrhunderte der Christianisierung ueberlebt hatte, indem sie sich in Gutenachtgeschichten versteckte.

Der alte Mann unter der Tanne

In Radovan und Slavojka aus Stefanovićs Sammlung von 1871 folgt ein Prinz namens Radovan einer himmlischen Stimme in den Wald. Unter einer gewaltigen Tanne begegnet er einem alten Mann, der bereits seinen Namen kennt, den Namen seines Vaters und den Ruf, der ihn auf die Reise geschickt hat.

“Was sagst du da, mein Sohn? Dass wir uns noch nie begegnet seien? Wir kennen einander schon lange, mein Kind. Du erinnerst dich nur nicht an mich.”

Der alte Mann offenbart, dass er selbst den Ruf drei Naechte zuvor waehrend des Festes des Koenigs ausgesandt hat. Er schickt Radovan zu einem Drachen mit neun Koepfen, gibt ihm ein goldenes Gefaess und ruft spaeter ein weisses Pferd, einen Hund und einen Falken herbei, indem er drei Drachenfedern kuesst.

Radovan kaempft nicht gegen den Drachen und toetet ihn auch nicht. Er nimmt seine Federn und gewinnt durch sie Macht. In der serbischen Volksueberlieferung ist der zmaj (Drache) nicht der feuerspeiende Feind westlicher Maerchen. Der zmaj ist intelligent, stolz und oft beschuetzend. Serbische Legenden sagen, dass der grosse Despot Stefan Lazarević (1377–1427) der Sohn des Drachen von Jastrebac gewesen sei, der seine Mutter Kneginja Milica besuchte. Helden, die von Drachen abstammten, nannte man zmaj-ljudi, “Drachenmenschen”. Wenn Radovan also mit dem Drachen zusammenarbeitet, statt ihn zu erschlagen, dann bewegt sich die Erzaehlung in einer anderen Mythologie als der des heiligen Georg.

Der alte Mann passt in ein deutliches Muster. Er kennt den Namen des Helden, bevor er ihn hoert, stellt Pruefungen und gebietet ueber Tiergeister. In der slawischen Mythologie herrschte Veles ueber Unterwelt, Vieh und Magie. Moderne Rekonstruktionen seiner Merkmale aus volkstuemlichen Ueberresten beschreiben ihn in zwei Gestalten: als gehoernten jungen Mann und als grauhaarigen Alten mit weissem Bart und Hirtenstab. Der alte Mann unter der Tanne passt exakt zu dieser zweiten Form.

Ein alter Zauberkundiger unter einer Tanne in einem dunklen Wald, der einem jungen Prinzen begegnet

Die Mutter der Sonne

Karadžić hat diese Erzaehlung gesammelt. Eine Frau, die ein Fastengeloebnis nicht halten konnte, bringt statt eines Kindes eine Basilikumpflanze zur Welt. Aus dem Basilikum wird ein Maedchen. Ein Prinz nimmt sie zu sich, doch neidische Frauen am Hof toeten sie und werfen ihren Koerper in den Wald. Eine alte Frau findet den Leichnam, sammelt Kraeuter und bringt sie wieder zum Leben.

“Eine alte Frau, die durch den Wald ging, fand das leblose Maedchen und war von ihrer Schoenheit geruehrt. Sie sammelte einige Kraeuter und brachte sie wieder zum Leben. Diese alte Frau war die Mutter der Sonne.”

Sie haelt das Maedchen in Sicherheit, bis der Prinz zurueckkehrt. Als die Mutter der Sonne stirbt, erhaelt sie ein ehrenvolles Begräbnis. Sie ist sterblich, sie altert, und sie stirbt. Aber sie kann mit Pflanzen Tote auferwecken.

Hier ist die Tradition der znaharka am Werk. In serbischen Doerfern war die Heilerin, von znati, “wissen”, meist eine aeltere Frau, die wusste, welches Kraut wofuer gut war. Das Wissen wurde in weiblichen Linien weitergegeben: von der Grossmutter an die Enkelin, von der Schwiegermutter an die Schwiegertochter. Manchmal, so die Ueberlieferung, kam dieses Wissen auch durch Traeume. Die Praxis hiess bajanje (heilendes Besprechen), und Karadžić dokumentierte sie bereits 1818 in seinem Srpski Rječnik (Serbischen Woerterbuch). Das Kraut heilt nicht fuer sich allein. Erst die Worte, die darueber gesprochen werden, setzen die Heilung in Gang. Wissen und Natur bleiben untrennbar verbunden.

Hinter der Mutter der Sonne steht Mokosh, die einzige weibliche Gottheit, die im altrussischen Pantheon von 980 n. Chr. namentlich genannt wird. Mokosh herrschte ueber fruchtbare Erde, Kraeuter, Feuchtigkeit, Spinnen und Schicksal. Wenn slawische Baeuerinnen hinausgingen, um Heilpflanzen zu sammeln, legten sie sich auf den Boden und baten Mutter Erde, jene Kraeuter zu segnen, die heilen konnten. Die Mutter der Sonne tut im Grunde genau das, nur ohne Gebet. Sie weiss es einfach.

Diese Erzaehlung findet sich in Illustrated Serbian Fairy Tales Vol. 2, wo die Illustrationen genau diesen Moment im Wald einfangen: die alte Frau, ueber das tote Maedchen gebeugt, Kraeuter in der Hand.

Die Mutter der Sonne sammelt Kraeuter neben einem leblosen Maedchen in einem dunklen Wald

Der Mann mit dem weissen Bart

Veroeffentlicht von Novaković im Jahr 1862, ist dies die seltsamste der vier Erzaehlungen. Sie fuehlt sich kaum wie ein Maerchen an. Eher wie ein Protokoll von etwas.

Ein Hirte huetet seine Herde am Wasser, waehrend ein Kind auf einem Baumstamm spielt. Ein Wolf naehert sich, der Hirte ruft eine Warnung, und das Kind geraet in Panik und faellt ins Wasser. Dann erscheint ein alter Mann, mit einem weissen Bart bis zur Taille und einem goldenen Stab in der Hand. Er beansprucht das Kind als sein eigenes, sagt, es sei nicht ertrunken, und uebernimmt die Sache.

Was dann folgt, liest sich wie eine Immobilienverhandlung mit der Unterwelt.

Der alte Mann schlaegt mit seinem goldenen Stab auf den Boden und fragt den Geist darunter: Wie viel Miete verlangst du fuer ein Jahr, wenn ich hier ein Haus baue? Etwas antwortet aus der Erde: Das Leben aller, die in dem Haus wohnen. Er geht zu einer anderen Stelle und stellt dieselbe Frage. Den Herrn und die Herrin. An einer weiteren Stelle: Eine Henne und ein Kueken. Schliesslich findet er einen Ort, an dem der Erdgeist nur eine Knoblauchzehe verlangt und Glueck verspricht. Der Hirte baut dort, und niemand ist gluecklicher als er und seine Nachkommen.

Das ist kein gewoehnlicher Maerchenstoff. Es ist ein Verfahren. Der alte Mann verhandelt mit duhovi tla (Erdgeistern), Wesen, die bestimmte Orte als ihr Eigentum betrachteten und Bezahlung fuer das Recht verlangten, dort zu bauen. Der Stab ist kein Schmuck. Er ist das Werkzeug, das den Kanal zwischen der Oberflaeche und dem oeffnet, was darunter sitzt.

In der slawischen Volksreligion bewachte der domovoj (Hausgeist) den Haushalt. Aber bevor der domovoj kommt, muss jemand den Boden sicher machen. Genau das tut der Mann mit dem weissen Bart. Er ist ein Spezialist, ein Vermittler zwischen dem menschlichen Wunsch, ein Zuhause zu bauen, und der spirituellen Oekonomie des Landes. Der goldene Stab taucht auch hier wieder auf. Es ist dasselbe Werkzeug, das die alte Frau in “Freunde und die alte Frau” traegt. Beide Figuren gehoeren derselben Tradition an: Autoritaet ueber die Grenze zwischen den Welten.

Du findest diese Erzaehlung in Illustrated Serbian Fairy Tales Vol. 1, mit Originalillustrationen.

Ein alter Mann mit weissem Bart schlaegt mit einem goldenen Stab auf die Erde, waehrend geisterhafte Gestalten von unten aufsteigen

Die alte Frau und die Schneegloeckchen

Zurueck zu Stefanovićs Sammlung. Junge Hirten sitzen am Feuer und sprechen ueber alte Dinge. Da erscheint eine alte Frau mit einem goldenen, mit Edelsteinen besetzten Stab. Einige Jungen bieten ihr Blumen aus dem Garten ihres Grossvaters an. Andere bringen Rosen. Sie weist alles zurueck.

Dann kommen drei kleine Kinder mit Schneegloeckchen. “Die Blumen der alten Mutter.”

“Wenn im fruehen Fruehling viele Schneegloeckchen bluehen, wird es gute Ernten und volle Scheunen geben.”

Nur die Schneegloeckchen nimmt sie an und schenkt den Kindern, die sie gebracht haben, Edelsteine. Dann steigt sie zum Himmel empor.

Die Lehre ist nicht gerade subtil: Was dir gehoert, behalte. Was dir nicht gehoert, beanspruche nicht. Aber auch die Gestalt selbst ist wichtig. Eine alte Frau mit goldenem Stab liest in Fruehlingsblumen die Zukunft der Ernte und verlaesst dann die Erde nach oben. Sie lehrt dieselbe oekologische Lesefaehigkeit, die der Mann mit dem weissen Bart aus der anderen Richtung praktiziert: Er spricht mit dem Boden, sie liest den Himmel. Zwischen beiden liegt die ganze vertikale Achse des alten slawischen Kosmos, mit Erdgeistern unten, himmlischem Wissen oben und der Menschenwelt dazwischen, wo die Blumen wachsen.

Das Wort hinter der Magie

Die serbische Sprache bewahrt, was die Maerchen zeigen. Der Wortschatz der Volksmagie ist auf der Idee von Wissen aufgebaut, nicht auf der von Macht.

Vrač bedeutet Heiler, nicht Magier. Der Belgrader Stadtteil Vračar traegt diesen Namen, seit dem 15. Jahrhundert belegt, nach den Heilern, die dort waehrend der osmanischen Zeit praktizierten.

Veštica (das Wort, das meist mit “Hexe” uebersetzt wird) kommt von vešt und bedeutet “geschickt” oder “wissend”. Die urspruengliche Bedeutung war schlicht “eine Frau, die Dinge weiss”. Das russische verwandte Wort ved’ma hat dieselbe Wurzel: ved, wissen. Die protoslawische Wurzel věděti meinte Wissen, nicht Boeses. Das Christentum veraenderte die Bedeutung. Im Mittelalter wurde aus “der Frau, die weiss” “die Frau, die dem Teufel dient”. Das Wissen blieb. Nur das Etikett kippte. (Ein aehnlicher Prozess machte Lilith aus einer maechtigen Figur einen Daemon und die Mare aus einem komplexen Geist einen simplen Alptraum.)

Bajanje ist heilendes Besprechen, praktiziert in ganz Serbien, Bosnien und Mazedonien. Die Praxis verband Kraeuter mit gesprochenen Worten; keines wirkte ohne das andere. Heilerinnen gaben das Wissen in weiblichen Linien weiter oder empfingen es in Traeumen. Das Bleigiessen (salivanje olova), bei dem heisses Blei in Wasser gegossen wird und die Heilerin aus der erstarrten Form die Ursache einer Krankheit liest, ist in der ganzen Region belegt. Manche Praktizierende tun es noch heute.

Man befiehlt den Kraeutern nicht. Man kennt sie. Man kontrolliert die Geister nicht. Man spricht mit ihnen. Der Mann mit dem weissen Bart kommandiert die Erdgeister nicht herum. Er stellt ihnen Fragen und verhandelt. Das ist ein anderes Magieverstaendnis als das, was die westliche Tradition sich darunter vorstellt.

Woran sich die Maerchen erinnern

Diese vier Gestalten sind keine zufaelligen Erfindungen. Sie bilden eine ganz bestimmte vorchristliche Kosmologie ab. Sie ueberlebte tausend Jahre offizielles Christentum, weil die Menschen die Geschichten weiter ihren Kindern erzaehlten.

Der alte Mann unter der Tanne und der Mann mit dem weissen Bart erinnern beide an Veles, den slawischen Gott der Unterwelt, des Viehs, der Magie und der Reisenden. In modernen Rekonstruktionen der slawischen Mythologie erscheint Veles als grauhaariger alter Mann mit weissem Bart und Hirtenstab, eine Charakterisierung, die aus seinen pastoralen und unterweltlichen Funktionen abgeleitet ist. Er war ein Gestaltwandler, der zum Drachen, Baeren oder zur Schlange werden konnte. Sein Bereich war die Wurzel des Weltenbaums, das feuchte Tiefland und die Unterwelt, in der die Toten wie Vieh auf gruenen Wiesen weideten.

Veles war nicht boese. Sein Gegensatz zu Perun, dem Donnergott, war ein zyklischer Konflikt: Erde gegen Himmel, Wasser gegen Feuer, Jahr fuer Jahr ausgespielt im Wechsel der Jahreszeiten. Nach der Christianisierung zerfiel Veles in verschiedene Gestalten. Der heilige Blasius uebernahm seinen viehschuetzenden Aspekt, und die erste Kirche, die in Jaroslawl auf dem Platz eines Veles-Heiligtums errichtet wurde, war diesem Heiligen geweiht. Der Teufel erbte seine Trickster- und Unterweltzuege. In der ostslawischen Volksueberlieferung uebernahm der heilige Nikolaus seine Rolle als Spender von Wohlstand und Beschuetzer der Armen. Doch in den Maerchen, die gesammelt wurden, bevor diese Umformungen ganz abgeschlossen waren, lebt er seiner urspruenglichen Gestalt noch naeher weiter.

Die Mutter der Sonne und die alte Frau mit den Schneegloeckchen erinnern an Mokosh, die Erdmutter. Sie herrschte ueber Fruchtbarkeit, Kraeuter, Feuchtigkeit, Spinnen und Schicksal. Ihr Festtag war der Freitag. Nach der Christianisierung trat die heilige Paraskeva an ihre Stelle, in der serbischen Tradition Petka genannt, doch Spuren blieben. Im noerdlichen Russland bewahrten Hausgeister namens Mokusha noch ihren Namen. Der Brauch, vor dem Sammeln von Kraeutern zu Mutter Erde zu beten, hielt sich im ganzen Sueden. Die znaharka, die mit Pflanzen und gesprochenen Worten heilt, trug Mokoshs Funktion ins Dorf weiter.

Auch der zmaj in Radovans Erzaehlung passt in dieses Muster. Serbische Drachen sind keine Monster. Sie sind intelligente Wesen, die nach der Volksueberlieferung Doerfer vor verheerenden Stuermen schuetzen. Der zduhać aus Montenegro und der Herzegowina war ein Mann, dessen Seele im Schlaf den Koerper verliess, um gegen die Daemonen zu kaempfen, die zerstörerische Stuerm brachten. Wenn er gewann, war die Ernte gerettet. Das sind schamanische Traditionen, keine Maerchenkonventionen. Sie erinnern an das balkanische Glaubenssystem, in dem die Grenze zwischen Lebenden und Toten nie so fest war, wie die neue Religion es gern gehabt haette.

Was Karadžić, Stefanović und Novaković im 19. Jahrhundert aufzeichneten, war mehr als Unterhaltung. Sie fingen das letzte noch hoerbare Echo einer Weltsicht ein, die das Christentum tausend Jahre lang zu begraben versucht hatte. Die Maerchen hielten sie am Leben, weil niemand auf die Idee kam, Gutenachtgeschichten zu zensieren.

Vom Autor

Serbische Volksmärchen by Đorđe Kojanović Stefanović, hrsg. von Rade Kolbas Illustrierte Serbische Märchen (Band 1) by Rade Kolbas

Quellen

Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.

  • Vuk Stefanović Karadžić, Srpske narodne pripovijetke (Serbian Folk Tales), Vienna, 1821; expanded edition 1853
  • Vuk Stefanović Karadžić, Srpski Rječnik (Serbian Dictionary), Vienna, 1818
  • Đorđe Kojanov Stefanović, Srpske narodne pripovetke (Serbian Folk Tales), Novi Sad, 1871
  • S. Novaković, fairy tales published in Srpski Letopis, Matica Srpska, Budapest, 1862
  • Veselin Čajkanović, Mit i religija u Srba (Myth and Religion among the Serbs), Belgrade, 1973
  • Veselin Čajkanović, Stara srpska religija i mitologija (Old Serbian Religion and Mythology)
  • Tihomir Đorđević, Veštica i vila u našem narodnom verovanju i predanju (The Witch and the Vila in Our Folk Belief), Belgrade, 1953
  • Tihomir Đorđević, Priroda u verovanju i predanju našega naroda (Nature in the Beliefs and Traditions of Our People), Belgrade, 1958
  • Friedrich Salomon Krauss, Sitte und Brauch der Südslaven (Customs and Practices of the South Slavs), Vienna, 1885
  • Pavle Sofrić Niševljanin, Glavnije bilje u narodnom verovanju i pevanju kod nas Srba (Principal Plants in Serbian Folk Belief and Song), Belgrade, 1912
  • Sima Trojanović, Vatra u običajima i životu srpskog naroda (Fire in the Customs and Life of the Serbian People), Belgrade, 1930
  • Jacob Grimm, preface to Karadžić’s Volksmärchen der Serben, Berlin, 1854
  • Primary Chronicle (Povest vremennykh let), entry on the Kievan pantheon of Vladimir, 980 CE
  • Aleksandar Loma, Prakosovo: slovenski i indoevropski koreni srpske epike (Proto-Kosovo: Slavic and Indo-European Roots of Serbian Epic), Belgrade, 2002
  • Slobodan Zečević, Mitska bića srpskih predanja (Mythical Beings of Serbian Folk Tradition), Belgrade, 1981
  • Roman Jakobson, ‘The Slavic God Veles and his Indo-European Cognates,’ in Studi linguistici in onore di Vittore Pisani, 1969
  • Boris Uspensky, Filologicheskie razyskaniya v oblasti slavyanskikh drevnostei (Philological Researches in Slavic Antiquities), Moscow, 1982
  • Mirjana Detelić, Mitski prostor i epika (Mythic Space and Epic), Belgrade, 1992
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