Einleitung des Übersetzers
Der vorliegende Text ist eine Disputatio, eine formale akademische Übung der jesuitischen Universität Ingolstadt, gedruckt im Januar 1632. Der Vorsitzende war Conrad Henzel von der Gesellschaft Jesu, ordentlicher Professor der Philosophie und Dekan. Der verteidigende Student war Johann Geisler aus München.
Das Werk ist in drei Kapitel mit fünfzig Thesen gegliedert. Kapitel eins definiert die Natur im aristotelischen Sinne: das innere Prinzip von Bewegung und Ruhe. Kapitel zwei behandelt die Kunst (ars), nicht im modernen Sinne der schönen Künste, sondern als Handwerk, Technik, die menschliche Fähigkeit, Wirkungen in äußerer Materie hervorzubringen. Dieses Kapitel enthält eine Erörterung der Alchemie und der Frage, ob die Umwandlung von Gold möglich ist. Kapitel drei behandelt die Magie, unterteilt in natürliche Magie (die Manipulation verborgener natürlicher Ursachen) und abergläubische oder dämonische Magie. Es katalogisiert, was Dämonen können und was nicht, gestützt auf das dämonologische Werk Martin Del Rios.
Die Widmung richtet sich an Werner Tserlaes, Graf von Tilly, den Befehlshaber der Armeen der Katholischen Liga während des Dreißigjährigen Krieges. Er war zugleich Militärgouverneur von Ingolstadt. Die Verweise des Widmungsbriefs auf die Kriegswirren und das Feuer, das Bayerns Grenzen bedrohte, waren keine Rhetorik. Schwedische Truppen unter Gustav Adolf rückten durch Deutschland vor. Tilly wurde weniger als vier Monate nach dem Druck dieser Disputation in der Schlacht bei Rain tödlich verwundet.
Der Text folgt den Konventionen der jesuitischen Scholastik. Er argumentiert These für These und zitiert Aristoteles, Thomas von Aquin, die Coimbra-Kommentatoren, Suárez, Del Rio, Pereira und Lessius als seine wichtigsten Autoritäten.
Titelseite
Philosophische Disputation über Natur, Kunst und Magie
Welche an der Katholischen und Kurfürstlichen Universität Ingolstadt,
unter dem Vorsitz von
Conrad Henzel, von der Gesellschaft Jesu, ordentlicher Professor der Philosophie und derzeitiger Dekan,
öffentlich verteidigt wird von
Johann Geisler aus München, Bayern, Bakkalaureus der Philosophie, Student der Heiligen Theologie und Metaphysik.
Im Jahr 1632, am ___ Tag des Januar.
Zu Ingolstadt, aus der Presse des Gregorius Haenlin.
Widmungsbrief
An den Hocherlauchten Herrn,
Werner Tserlaes, Graf von Tilly,
Baron von Marbais, Herr von Balastre usw., Kriegsrat und Kammerherr des Allergnädigsten Kaisers Ferdinand II. und des Durchlauchtigsten Kurfürsten Maximilian; Befehlshaber der Reiterei und des Fußvolks, Präfekt von Ingolstadt usw.
Seinem hochverehrten Herrn,
Es fügt sich, Hocherlauchter Herr, dass dieses mein Büchlein, das wie ein Kandidat an den Türen und Schwellen großer Männer umherirrt, ans Licht treten möchte, aber keinen Schutzherrn findet. Nun berichtet es mir, gleichsam im Kreis von einer langen Reise zurückgekehrt, es habe vergeblich an die Türen vornehmer Männer geklopft: alles sei durch Kriegswirren in Unordnung geraten, und der Rauch eines sich von nahem ausbreitenden Feuers bedrohe bereits die Grenzen unseres Bayern. Manche Geister, von sanfteren Beschäftigungen abgelenkt, seien vor Furcht erstarrt; andere arbeiteten immer noch ängstlich im Rat für die Verteidigung des Vaterlandes. Nirgends erscheine Pallas anders als in Rüstung. Und wenn mein Buch irgendwo eingelassen worden sei, habe seine Stimme über dem Krachen der Trompeten und Trommeln, die allerorts erschallten, nicht gehört werden können.
Was sollte ich in dieser Lage tun? Ich wünschte mir einen Julius Caesar, der in unser Zeitalter überlebt hätte, dessen einziger Geist sowohl militärische als auch literarische Sorgen umfassen könnte. Und ich fand in dieser Zeit, was ich in der Antike suchte. Ihr, Hocherlauchter Herr, schient mir jener Mann zu sein, der es zuließe, seine ernsten Sorgen durch meine Nichtigkeiten unterbrechen zu lassen, der zugleich den Waffen der Republik dienen und den von der Ungerechtigkeit der Zeiten bedrängten Musen Schutz gewähren könnte und wollte.
Dies versprach mir Euer Geist, den freien Künsten so wohlgesinnt, der selbst in dieser höchst unruhigen Lage, ermüdet von der Beratung über Kriegspläne, nirgends süßere Erholung zu finden scheint als unter Büchern. Der Übergang von Eurem Zeughaus zu Eurer Bibliothek ist Euch bereits zur natürlichsten Gewohnheit des Tages geworden. Warum sollte ich also argwöhnen, dass mein Büchlein jemandem unwillkommen sein könnte, für den selbst unter Waffen kein Tag ohne eine Zeile vergeht?
Ich wünschte freilich, dieses Buch wäre eines, das Eure aufs reichste ausgestattete und erlesenste Bibliothek schmücken könnte. Nehmt es dennoch an und gewährt ihm auch nur den letzten Winkel im untersten Regal, damit es als immerwährendes Denkmal stehe, nicht so sehr meines dankbaren Geistes als vielmehr Eurer Wohltaten, durch die Ihr mich und besonders meinen Vater so gebunden habt, dass wir bekennen, wenn auch ungern, sie nicht erwidern zu können. Denn um von meinem Vater zu schweigen, der sich der zahllosen Wohltaten erinnernd, mit denen er sich vom Hause Tilly überhäuft weiß, diesem seit vielen Jahren aufs treueste ergeben ist und noch heute seinen Namen unter dessen gehorsamsten Dienern bekennt: Eure Güte mir gegenüber, Hocherlauchter Herr, war in diesen drei Jahren von solcher Art, dass ich mich nicht wenig schäme, Eurer großzügigen Freigebigkeit nicht genügen zu können.
Nehmt also wohlwollend an, Hocherlauchter Herr, was immer dieses Büchlein sein mag, und lasst von Eurem hocherlauchten Namen etwas Glanz auf es übergehen. Die Erinnerung an diese und andere Wohltaten wird bei mir und den Meinen für immer bleiben. Mögen die himmlischen Mächte Euch dieses und viele weitere glückliche Jahre gewähren.
Ingolstadt, an den Kalenden des Januar 1632.
Eurer Hocherlauchten Herrschaft unwürdigster Klient,
Johann Geisler aus München
Erstes Kapitel: Über die Natur
These I
Das Wort „Natur" und „natürlich" wird in verschiedenen Bedeutungen verwendet. Erstens bezeichnet „Natur" den Schöpfer aller Dinge, nach Augustinus. Zweitens bezeichnet es das Wesen oder die Definition eines bestimmten Dinges. Drittens bezeichnet es eine Kraft oder ein inneres Prinzip der Bewegung. „Natürlich" wiederum bedeutet: erstens das Unfreie oder Notwendige; zweitens das dem Übernatürlichen Entgegengesetzte; drittens das Nicht-Gewaltsame und mit der Eigenordnung der Dinge Übereinstimmende; viertens das Nicht-Künstliche, das ohne Eingreifen der Kunst vorgefunden wird. Nach diesen kurzen Bemerkungen zu den Begriffen gehen wir daran, die Sache selbst zu erklären.
These III
Natur im zuletzt beschriebenen Sinne (denn von dieser allein sprechen wir hier) wird von Aristoteles (Physik 2, Text 3) definiert als „das Prinzip und die Ursache von Bewegung und Ruhe in dem, worin sie ist, an sich, ursprünglich und nicht zufälligerweise". Um den Sinn dieser Definition zu verstehen, erklären wir sie ausführlicher, nach den Coimbra-Kommentatoren (Physik 2, q. 2, art. 1) und Mendoza (disp. 7, sect. 1).
Erstens wird „Prinzip und Ursache" als Gattung gesetzt. Der Sinn ist, dass die Natur nicht irgendein beliebiger Ursprung von Bewegung und Ruhe ist, sondern einer, der wahrhaft und wirklich verursacht und Einfluss ausübt.
Zweitens „von Bewegung und Ruhe": Unter dem Ausdruck „Bewegung" verstehen wir nicht nur die Ortsbewegung, sondern jede physische oder sinnlich wahrnehmbare Veränderung, ob sie in der Substanz oder im Akzidens endet, ob sie in einem Augenblick oder über die Zeit vollendet wird. Unter „Ruhe" verstehen wir nicht bloß die Abwesenheit oder Verneinung von Bewegung, sondern, wie Mendoza und andere richtig bemerken, das Verharren, Festhalten oder gleichsam den Besitz eines erreichten natürlichen Endpunkts oder einer Vollkommenheit.
These IV
Drittens „in dem, worin sie ist": gleichsam um zu sagen, dass die Natur gemäß dem oben Gesagten zwar Ursache von Bewegung ist (und dasselbe Urteil gilt für die Ruhe), aber nicht jeder beliebigen Bewegung. Vielmehr ist sie nur Ursache jener Bewegung, die in dem Zusammengesetzten empfangen wird, in dem die Natur selbst innewohnt, wie die genannten Autoren richtig beobachten. So schränkt diese Bestimmung die vorhergehende ein.
Viertens „an sich, ursprünglich": Der Sinn ist, dass die Natur dem Zusammengesetzten, in dem sie innewohnt, an sich zukommt, das heißt notwendigerweise, und nicht auf beliebige notwendige Weise, sondern ursprünglich, grundlegend oder wesenhaft, wie Mendoza richtig erklärt. Schließlich wird „nicht zufälligerweise" nur der Klarheit halber hinzugefügt, da diese Bestimmung aus dem Gesagten bereits hinreichend verstanden werden konnte.
These V
Aus diesen Überlegungen ist nun leicht zu verstehen, was die Coimbra-Kommentatoren (Physik 2, q. 3, art. 2) und Mendoza lehren: dass es nur zwei Naturen gibt, auf die die erklärte Definition des Aristoteles zutrifft, nämlich Form und Materie, aus denen das physische Zusammengesetzte entsteht. Das Zusammengesetzte selbst hat daher nicht den Charakter der hier definierten Natur, wie Aristoteles selbst klar lehrt (Physik 2, Text 12). Denn nachdem er deutlich genug gelehrt hatte, dass sowohl Form als auch Materie Natur sind (die Form jedoch mehr als die Materie), fügt er hinzu: „Das aber, was aus diesen zusammengesetzt ist (nämlich aus Form und Materie), ist nicht Natur, sondern von Natur, wie zum Beispiel ein Mensch."
These VI
Hieraus wird ferner abgeleitet, dass weder Gott noch die aristotelischen Intelligenzen den Charakter der Natur besitzen. Denn diese sind nicht das Prinzip irgendeiner physischen, sinnlich wahrnehmbaren Bewegung, die in einem Zusammengesetzten empfangen würde, das sie als wesentlicher Teil konstituieren. Auch hat der Einwand Murcias keine Kraft, nämlich dass Gott und die Engel, obwohl sie sich selbst nicht auf die genannte Weise bewegen, dennoch Körper durch eine physische und höchst sinnlich wahrnehmbare Bewegung bewegen können. Denn dies genügt nicht für den Charakter der Natur; vielmehr ist es notwendig, dass die Natur in dem Zusammengesetzten, in dem sie als Teil innewohnt, sinnlich wahrnehmbare Bewegung verursachen kann.
These VII
Darüber hinaus vertreten wir die Auffassung, dass die Definition der Natur nicht nur auf die konstitutiven Teile der sublunaren Körper, sondern auch auf die der himmlischen Körper zutrifft. So ist nicht nur die Form, sondern auch die himmlische Materie (selbst wenn sie nach der zutreffenderen Meinung von anderer Art als die sublunare Materie ist), ebenso die rationale Seele auch insofern sie rational ist, und mit einem Wort jede Materie und jede substantielle Form, ob lebender oder nicht-lebender Dinge, im eigentlichen Sinne Natur. Denn von all diesen fließt, als von gewissen Ursachen, ob aktiv oder passiv, die an sich und ursprünglich im Zusammengesetzten innewohnen, zumindest eine gewisse sinnlich wahrnehmbare Bewegung in das Zusammengesetzte.
These VIII
Da aber die himmlischen Körper (mit Ausnahme des Empyreums) niemals ruhen und der gesamte Erdball gemäß Psalm 103,5, „Er hat die Erde auf ihre Grundfeste gestellt; sie wird in alle Ewigkeit nicht wanken," niemals von seinem Ort bewegt wird, streiten die Autoren untereinander, ob und auf welche Weise diese Körper von der Definition der Natur erfasst werden. Daher wollen einige, nach Pereira, dass die Teilbestimmungen „von Bewegung und Ruhe" kollektiv genommen werden, nicht jedoch in Bezug auf die einzelnen Körper, sondern auf alle zusammen. Andere, nach Murcia, vertreten, dass das „und" nicht kopulativ, sondern disjunktiv zu nehmen sei, so dass der Sinn sei: die Natur ist in allen und jedem einzelnen Körper das Prinzip entweder der Bewegung oder zumindest der Ruhe, wenn nicht beider. So sei weder der Himmel noch die Erde von Aristoteles’ Definition der Natur auszuschließen.
These IX
Beide Antworten sind geeignet; die letztere erscheint zweckmäßiger. Aber selbst wenn wir zugestehen würden, dass die genannten Körper in Bezug auf die Ortsbewegung nicht am Charakter der Natur teilhaben, müssten sie deshalb nicht aus der Klasse der natürlichen Körper ausgestoßen werden. Denn wie wir oben bemerkten, wird in der Definition der Natur nicht nur die Ortsbewegung, sondern jede verändernde Bewegung verstanden, kraft derer solche Körper den Charakter der Natur haben könnten.
These X
Es gibt auch keine geringe Kontroverse über die genannte Definition der Natur: ob sie nur ein aktives oder nur ein passives Prinzip der Bewegung umfasst, das heißt, ob nur die Form oder nur die Materie von der Definition der Natur erfasst wird. Aber keine Seite beweist etwas für sich; vielmehr bestätigen beide unsere eigene Position, in der wir bereits oben (These VII) festgestellt haben, dass nicht nur eines, sondern beide, sowohl das aktive als auch das passive Prinzip, den Charakter der Natur haben.
These XI
Es bleibt uns, kurz zu erklären, auf welche Weise die Definition der Natur auf die rationale Seele, auch insofern sie rational ist, zutrifft. Denn insofern sie rational ist, scheint sie keine Ursache sinnlich wahrnehmbarer oder natürlicher Bewegung zu sein, da sie selbst immateriell ist. Aber diese Einwände sind geringfügig.
Erstens: Obwohl die rationale Seele geistig ist, ist sie dennoch, weil sie wesentlich ein proportionierter Akt der Materie ist, auch insofern sie rational ist, das Prinzip gewisser sinnlich wahrnehmbarer Bewegungen wie Lachen, artikulierte Sprache und dergleichen.
Zweitens: Die Gedanken und Willensakte des menschlichen Geistes können, obwohl sie nicht in sich selbst oder innerlich sinnlich wahrnehmbar sind, dennoch äußerlich und durch ein anderes sinnlich wahrnehmbar genannt werden, nämlich durch das Phantasma und den Sinn, von denen solche Handlungen in diesem Leben abhängen.
Zweites Kapitel: Über die Kunst
These XII
Das Wort „Kunst" wird, wie die Coimbra-Kommentatoren bemerken, von Aristoteles in drei Hauptbedeutungen verwendet. Erstens, am weitesten gefasst, für jede intellektuelle Haltung, die das Wahre erfasst, ob praktisch oder spekulativ. Zweitens, enger, für alle und nur die praktischen Erkenntnisarten. Drittens wird Kunst im eigentlichen und strengen Sinne, nach Aristoteles (Nikomachische Ethik 6, Kap. 4), allgemein definiert als „eine Haltung des Hervorbringens mit wahrer Vernunft".
„Haltung" wird gesagt, weil die Kunst ihrer Natur nach eine stabile Qualität im Subjekt ist. „Mit wahrer Vernunft" bedeutet gemäß sicheren und unfehlbaren Regeln. „Des Hervorbringens", das heißt, operierend durch Übergang in äußere Materie, ob sie ein Werk hinter sich lässt oder nicht.
These XIII
Die Kunst operiert gewöhnlich auf zwei Weisen. Die erste ist diejenige, durch die sie die Bewegungskräfte des Handwerkers zur Erzeugung verschiedener und mannigfaltiger Ortsbewegungen in verschiedenen Gegenständen lenkt. Aus diesen Bewegungen (ob sie durch verbundene Instrumente wie Hände, Füße usw. oder durch getrennte wie Feder, Meißel usw. geschehen) ergibt sich bisweilen verschiedene Melodie von Stimmen und Klängen, bisweilen die eine oder andere Gestalt oder Figur eines Dinges, wie aus dem Spiel der Harfenisten und den Werkstätten der Bildhauer ersichtlich ist.
Die zweite Weise ist diejenige, durch die die Kunst nicht nur eine gewisse Harmonie des Klanges oder eine Gestalt des Dinges einführt, sondern Wirkendes und Leidendes so geschickt miteinander verbindet, dass aus einer solchen kunstvollen Verbindung nachher Wirkungen entstehen, die ohne sie niemals einzeln hervorgebracht worden wären. So wird von Ärzten gewöhnlich Gesundheit hervorgebracht und von anderen Handwerkern mancherlei anderes.
These XIV
Aus diesen Überlegungen ist leicht zu verstehen, was Pereira und die Coimbra-Kommentatoren sowie andere lehren: dass die Kunst in Bezug auf Kunstprodukte nicht an sich ein physisches Wirkprinzip ist, sondern nur ein moralisches oder leitendes.
These XV
Wir sagen jedoch, dass die Kunst kein physisches Prinzip in Bezug auf Kunstprodukte sein kann. Denn wir leugnen nicht, dass die praktischen Urteile und die Kenntnis der Kunstregeln, durch die kunstvolle Tätigkeiten geleitet werden, von der Kunst zusammen mit dem Intellekt physisch hervorgebracht werden.
Man beachte, dass jeder Handwerker, bevor er seine Hände und ausführenden Kräfte an das Werk legt, nicht nur durch einen Willensakt das herzustellende Werk vorherbestimmt, sondern zunächst gewöhnlich das herzustellende Werk konzipiert, das heißt im Intellekt eine gewisse Idee, ein Abbild oder Muster davon formt.
These XVI
Die Idee nun, schlechthin gesprochen, nach der der Handwerker arbeitet, ist nichts anderes als „eine gewisse Form, die die Wirkung nachahmt, aus der Absicht des Handelnden, der sich den Zweck bestimmt", wie der heilige Thomas richtig definiert (De Veritate, q. 3, art. 1).
These XVII
Wenn daher ein Apelles, der Euer Aussehen völlig nicht kennt, der Euch weder vom Angesicht noch vom Namen her kennt, spielerisch mit dem Pinsel malend dennoch zufällig Euer Gesicht ausdrückte, so wäret Ihr kraft eines solchen Gemäldes nicht eine Idee für ihn gewesen.
So operiert auch keines jener handelnden Wesen nach einem Muster oder aus einer Idee, das zwar eine sich selbst ähnliche Wirkung hervorbringt oder etwas verfertigt, dies aber nicht als Zweck für sich selbst bestimmt, sondern einen bereits vom Urheber der Natur festgelegten Zweck verfolgt. So wenn ein Löwe einen Löwen zeugt, eine Biene ihre Zelle baut, ein Vogel sein Nest baut usw.
These XVIII
Ferner lehrt Suárez (Metaphysische Disputationen 25, sect. 1, Nr. 2), nach anderen und Seneca (Brief 66), richtig, dass es im Allgemeinen zwei Arten von Ideen gibt: innere und äußere. Die erstere wird gewöhnlich formal, die letztere objektiv genannt. Die innere Idee ist nichts anderes als das Bild, das der Handwerker sich im Geist schafft, damit er die äußerlich hervorzubringende Wirkung ihm angleiche. Die äußere Idee ist jenes Modell, das der Handwerker sich äußerlich vorlegt, um danach das Werk zu gestalten.
These XX
Suárez und Murcia erkennen nur den zweiten formalen Konzept als Idee an. Dagegen halten Scotus, Durand und viele andere nur den ersten objektiven Konzept für die Idee.
Keine der beiden Positionen befriedigt uns. Daher urteilen wir, nach Valentia und Lessius, dass der erklärte Charakter der „Idee" auf seine Weise beiden genannten Konzepten zukommt, jedoch hauptsächlich dem formalen.
These XXV
Es bleibt, aus dem Gesagten zusammenzufassen, worin die Übereinstimmung und worin der Unterschied zwischen Kunst und Natur besteht. Die Kunst stimmt mit der Natur hauptsächlich in Folgendem überein:
- Die Werke der Natur werden wie die Werke der Kunst nach bestimmten Gesetzen und geordnet hervorgebracht. Daher nannten gewisse Philosophen, wie Philo bezeugt, die Natur die Kunst Gottes und Gott den obersten Handwerker.
- Wie ein natürliches Agens eine sich selbst ähnliche Wirkung kraft der Form hervorbringt, durch die es konstituiert ist, so gestaltet auch der Handwerker ein der Idee ähnliches Werk.
- Wie die Kunst ohne ihr angemessenes Subjekt nicht operieren kann, so auch nicht die Natur ohne das ihre.
- Wie die Kunst allmählich fortschreitet und vom Unvollkommeneren zum Vollkommeneren vorangeht, so auch die Natur.
- Wie die Natur die göttliche Kunst nachahmt, so ahmt die menschliche Kunst die Natur nach, so weit es möglich ist.
These XXVI
Die Natur unterscheidet sich jedoch von der Kunst hauptsächlich in Folgendem:
- Die Natur bringt wahre Dinge hervor, die Kunst dagegen an sich nur Nachahmungen des Wahren. So bringt die Natur ein wirkliches Pferd und einen wirklichen Löwen hervor, die Malerei, Bildhauerei usw. dagegen nur Bilder und Statuen von ihnen. Daher haben manche Gemälde „die Träume der Wachenden" genannt.
- Wann immer Kunst und Natur bei der Hervorbringung eines Werkes zusammenwirken, hat die Kunst den Charakter eines Führers und einer Regel; die Natur dagegen den des Geführten und Geformten.
- Natürliche Formen treten zum Seienden in Potenz hinzu, das heißt zur Materie; künstliche Formen treten zum Seienden in Akt hinzu, das heißt zum ganzen Zusammengesetzten. Daher sagt man gewöhnlich, die Kunst beginnt, wo die Natur aufhört.
- Die Natur durchdringt die innersten Teile ihres Gegenstandes; die Kunst haftet gewöhnlich nur an der Oberfläche.
- Die Natur bringt eine sich selbst bezüglich des realen Seins ähnliche Wirkung hervor und verleiht ihr auch dieselbe Hervorbringungskraft. Die Kunst nicht.
- Schließlich ist die Natur ein physisches und substantielles Prinzip der Bewegung, dem Zusammengesetzten, das sie bewegt, wesentlich; die Kunst nicht.
These XXVII
Zuletzt wird unter den Autoren in dieser Materie noch ein gewisser Streit geführt: ob die Kunst durch die Anwendung von Wirkendem auf Leidendes wahres Gold hervorbringen kann. Einige bejahen es, andere verneinen es. Wir billigen die Meinung der Coimbra-Kommentatoren und vieler anderer. Obwohl es daher äußerst schwierig und folglich überaus selten ist, dass durch die Kunst der Alchemie tatsächlich wahres Gold hervorgebracht wird, halten wir es für wahrscheinlicher, dass es schlechthin gesprochen hervorgebracht werden kann.
Der Grund für den ersten Teil unserer Behauptung ist wirksam: die Erfahrung, die vergeblichen Versuche vieler, Gold herzustellen, und häufiger Betrug. In der Tat haben gewisse Magnaten, während sie erwarteten, dass Alchemisten Gold herstellen, eine große Menge Gold ausgegeben, wobei gewisse Betrüger ihnen Betrug statt Kunst verkauften. Unter diesen war Marcus Bragadino, der Venezianer, nicht der geringste, der, wie Del Rio bezeugt, im Jahr 1591, nachdem er seinen Betrug öffentlich gestanden hatte (nämlich dass er Gold aus Goldpulvern geschmolzen hatte, die er mit Kohlenstaub gemischt hatte), in München hingerichtet wurde.
These XXVIII
Der zweite Teil unserer Behauptung wird wie folgt bewiesen. Erstens kann kein wirksames Argument seine Unmöglichkeit beweisen. Zweitens können andere, noch edlere Wirkungen als Gold durch die Kunst der Anwendung von Wirkendem auf Leidendes hervorgebracht werden. So werden Bienen aus dem erstickten Kadaver eines jungen Stiers geboren und Kröten aus den gekochten Überresten einer der Sonne ausgesetzten Ente. Drittens scheinen die Ursachen, durch die Gold gewöhnlich in den Eingeweiden der Erde geschmolzen wird, auch über der Erde durch menschliche Kunst verbindbar zu sein. Viertens ist es nach dem Zeugnis Del Rios und vieler anderer glaubwürdiger Männer sehr glaubhaft, dass wahres Gold tatsächlich bereits in Rom durch Arnold von Villanova durch Kunst hergestellt wurde.
Drittes Kapitel: Über die Magie
These XXIX
Magie im allgemeinen Sinne wird von Del Rio aus der allgemeinen Meinung richtig definiert als: „Eine Kunst oder Fähigkeit, die durch geschaffene und nicht übernatürliche Kraft gewisse Wunder und ungewöhnliche Dinge hervorbringt, deren Ursache den Sinn und das gewöhnliche Verständnis der Menschen übersteigt."
These XXX
Die Einteilung der Magie, die Pereira vorschlägt, scheint uns zweckmäßiger: Magie wird unterteilt in natürliche und abergläubische (oder teuflische).
Natürliche Magie ist nichts anderes als eine gewisse Kunst, die durch menschlichen Fleiß und durch natürliche Ursachen Wunderbares hervorbringt. Oder, wie Del Rio sie ausführlicher beschreibt: „Eine genauere Kenntnis der Geheimnisse der Natur, durch die man, nachdem man den Lauf und Einfluss der Himmel und Sterne sowie die Sympathien und Antipathien der einzelnen Dinge beobachtet hat, Dinge zu Dingen zur rechten Zeit, am rechten Ort und auf die rechte Weise anwendet und auf diese Weise gewisse wunderbare Dinge vollbringt, die den Unwissenden wie Zauberkunst oder Wunder erscheinen."
These XXXI
Die Gelehrten lehren allgemein, nach dem heiligen Thomas (Summa Theologiae 1, q. 94, art. 3), dass diese Magie Adam bei seiner ersten Erschaffung von Gott unter den übrigen natürlichen Tugenden eingegossen wurde und dass er sie danach durch seine Söhne und Enkel an die ferne Nachwelt weitergab. Obwohl diese Magie daher an sich nicht böse ist, da sie der edelste Teil der Physik, Medizin und mathematischen Gelehrsamkeit ist, ist sie dennoch, wie Lessius richtig warnt, zufälligerweise gefährlich, besonders für die Jugend. Denn sie fesselt den ohnehin neugierigen menschlichen Geist heftig an nutzlose und neugierige Dinge und lockt ihn allmählich zur abergläubischen Magie.
These XXXIII
Abergläubische, Schwarze oder Teuflische Magie, die die Griechen Goeteia nennen, wird von Lessius definiert als „eine gewisse Methode, Wunderbares durch Zeichen mit Hilfe von Dämonen hervorzubringen." Del Rio definiert sie als „eine Kunst oder Fähigkeit, durch die mittels eines mit Dämonen geschlossenen Paktes gewisse das gewöhnliche Verständnis der Menschen übersteigende Wunder hervorgebracht werden."
Die gesamte Kraft dieser Magie besteht in einem entweder ausdrücklichen oder zumindest stillschweigenden Pakt mit einem Dämon. Wie die natürliche Magie natürliche Ursachen verwendet, so verwendet die abergläubische Magie Zeichen, die moralische Ursachen sind. Durch diese Zeichen wird kraft des geschlossenen Paktes der Dämon veranlasst zu tun, was der Magier erbittet.
These XXXIV
Die platonischen Magier wollten, dass ihre Theurgie erlaubt sei, mit der Begründung, sie werde dem Menschen entweder unmittelbar von Gott allein oder mittelbar durch gute Engel mitgeteilt. Aber wie Del Rio richtig bemerkt, ist diese „weiße Magie" erdichtet und keineswegs von der schwarzen Magie verschieden, sondern lediglich unter einem ehrbareren Namen zum Verderben der Unvorsichtigen verhüllt. Denn Gott verwickelt sich weder selbst noch durch gute Engel jemals in magische Operationen mehr, als Er mit allen anderen Dingen als Erste Ursache mitwirkt.
Jenseits der natürlichen Magie und der abergläubischen Magie besteht daher keine dritte Art.
These XXXV
Verschiedene Arten werden dennoch unter beiden Gattungen zusammengefasst.
Natürliche Magie wird von Del Rio in operative und divinatorische unterteilt. Die divinatorische Magie ist diejenige, die sich mit dem Erraten verborgener und zukünftiger Dinge beschäftigt. Die operative Magie ist diejenige, die seltene und gewöhnlich ungewöhnliche Wirkungen hervorbringt.
Pereira unterscheidet die natürliche Magie auch in physische und mathematische. Physische Magie ist diejenige, die sich mit den verborgenen Kräften der natürlichen Dinge befasst. Mathematische Magie ist diejenige, die durch Kenntnis allein oder hauptsächlich mathematischer Dinge gewisse wunderbare und ungewöhnliche Wirkungen hervorbringt. So wurden durch das Werk des Archimedes, die Taube des Archytas und andere solche ungewöhnlichen Dinge gefertigt.
These XXXVI
Del Rio unterteilt die dämonische Magie in vier Hauptarten: Magie (im spezifischen und strengen Sinne), Wahrsagung, Schadenzauber und eitler Aberglaube.
- Magie im strengen Sinne ist diejenige, durch die aus bloßer, aber schuldhafter Neugierde, ohne jede Absicht, anderen zu nützen oder zu schaden, außergewöhnliche und ungewöhnliche Wirkungen oder Kenntnisse von einem bösen Dämon gesucht werden.
- Wahrsagung ist jener Teil der Magie, durch den zukünftige, vergangene oder gegenwärtige Dinge, die tief verborgen und geheim sind, mit Hilfe eines Dämons erforscht werden.
- Schadenzauber ist eine Fähigkeit, durch die Magier entweder Macht von einem bösen Geist suchen, um zu schaden, oder, wenn sie bereits mit solcher Macht ausgestattet sind, sie zum Nachteil anderer einsetzen.
- Eitler Aberglaube ist derjenige, den diejenigen, die damit ausgestattet sind oder es zu werden suchen, nicht nur ohne Schaden, sondern sogar zum Wohl anderer anwenden.
These XXXVII
Die Einteilung, die Azor vorlegt, scheint noch berühmter zu sein, in der die Magie in Taschenspielerei, Giftmischerei (Zauberei), Kabbalistik und Pythagoräische Magie unterteilt wird.
- Taschenspielerei ist diejenige, durch die mit Hilfe von Dämonen bewirkt wird, dass die Dinge den Augen der Zuschauer anders erscheinen, als sie sind.
- Giftmischerei oder Beschwörungsmagie ist diejenige, die durch gewisse Zaubersprüche, Räucherungen, Salbungen, Tränke usw. gewisse Wunder hervorzubringen scheint, die jedoch der Dämon bewirkt, wenn diese als Zeichen angewandt werden.
- Kabbalistische Magie ist diejenige, die vorgibt, in den hebräischen Vokalzeichen, Akzenten, Hauchzeichen und Namen eine höchst tiefe und verborgene Lehre verborgen liege, so dass, wer die Kraft dieser Namen durchschaue, gleichsam als Herr der Natur alle Dinge sich gehorsam mache.
- Pythagoräische Magie lehrt, dass zwischen den Namen im Allgemeinen und den Naturen, Kräften und Eigenschaften der Dinge, die sie bezeichnen, eine gewisse verborgene Verwandtschaft bestehe, so dass wer sie durchdringe, allein durch Namen Wunderbares wirken könne.
Aber niemand, der auch nur die anfängliche Logik eines Anfängers besitzt, sieht nicht den lächerlichen und völlig eitlen Trugschluss dieser Magie sowie der kabbalistischen Magie, der weiß, dass Buchstaben und Namen eine menschliche Erfindung sind und daher durch Konvention bezeichnen.
These XXXIX
Nun sprechen wir kurz aus, was jede Art kann und was nicht.
Wenn sie nur Bewegungskräfte einsetzen, kann keine von beiden etwas anderes hervorbringen als verschiedene Ortsbestimmungen, die daraus folgende Vielfalt der Gestalten, Impuls, verschiedene Klänge aus dem Zusammenprall der Körper und einige wenige andere Dinge. Wenn sie aber Wirkendes auf Leidendes anwenden, können wiederum beide Arten der Magie keine anderen Wirkungen hervorbringen als diejenigen, die im Vermögen der einander angewandten Ursachen enthalten sind.
These XL
Was die abergläubische Magie betrifft, so hat der böse Dämon eine zweifache äußere Handlung.
Eine ist unmittelbar, wie die Ortsbewegung und wahrscheinlich auch die Erzeugung von Impuls.
Die andere ist mittelbar, nämlich diejenige, die der Ortsbewegung gewöhnlich folgt, durch die Wirkendes auf Leidendes angewandt wird. Denn der Dämon, jener Erzhandwerker, der die Naturen und Eigenschaften der natürlichen Dinge aufs Genaueste kennt, kann und pflegt aus verschiedenen Orten verschiedene natürliche Wirkursachen zusammenzubringen und sie so geschickt in Bezug auf Ort, Zeit und Wirkungsweise miteinander zu verbinden, dass daraus Wirkungen entstehen, die die bloße Naturwirkung niemals hervorgebracht hätte, wenn nicht der böse Dämon sie mit seiner kunstvollen Leitung unterstützt hätte.
These XLI
Erstens können sie eine große Menge Feuer, aus der Konkavität des Mondes oder anderswoher herbeigeschafft, aussenden, um Städte und Königreiche zu verwüsten. Sie können auch Winde erregen, die Häuser umstürzen, wie wir in Hiob 1 lesen, und schreckliche Stürme zu Land und zu Wasser verursachen.
These XLII
Zweitens können sie große Körper fast augenblicklich von einem Ort zum anderen transportieren und daher Hexen in Wirklichkeit durch die Luft befördern. Sie können auch plötzlich gegenwärtige Dinge den Augen der Zuschauer entziehen. So ist Christus der Herr, nach Matthäus 4, auf die Zinne des Tempels gestellt und auf einen sehr hohen Berg vom Teufel getragen worden.
These XLIII
Drittens können sie bewirken, dass Statuen oder andere leblose Dinge von selbst zu gehen scheinen. Viertens können sie mittels Ortsbewegung bewirken, dass Statuen, Tiere usw. nach Menschenart zu sprechen scheinen, indem sie artikulierte Laute oder der menschlichen Sprache ähnliche Rede in oder nahe jenen Körpern formen, die sie so scheinbar redselig machen.
These XLIV
Fünftens können sie entweder nur die Formen und Gestalten exotischer Waren und Güter zeigen, oder, wenn es ihnen beliebt, tatsächlich von anderswo herbeigebrachte Dinge physisch gegenwärtig machen.
Auch ist es glaubwürdig, wie Lessius bezeugt, dass die Stäbe der ägyptischen Magier, die in Exodus 7,12 erwähnt werden, in Schlangen verwandelt wurden. Der böse Dämon konnte ihnen nicht so mächtige natürliche Ursachen anwenden, dass sie in so kurzer Zeit verwandelt worden wären; vielmehr scheint er an Stelle der entfernten Stäbe Schlangen untergeschoben zu haben.
Sechstens können sie Flusswasser teilen und gegen ihre Natur zur Quelle zurücktreiben, von der es floss.
These XLV
Siebtens können sie verschiedene Körper verschiedener Gestalten annehmen und sie bewegen, sie wie Kleidungsstücke anziehend, und so handhaben, dass die Tiere oder sogar die Menschen, deren Überreste sie angezogen oder deren Abbilder sie aus Luft oder einem anderen Stoff geformt haben, persönlich anwesend zu sein scheinen.
Man beachte, dass es wahrscheinlicher ist, dass der Betrug in solchen phantasmatischen Körpern stets erkannt werden kann, zumindest durch Berührung, wenn nicht durch andere Sinne. Daher sagte Christus der Herr, um seinen Jüngern zu beweisen, dass er ein wahrer Mensch und kein Trugbild sei, in Lukas 24,39: „Fasset mich an und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass ich habe."
These XLVIII
Dämonen können daher nicht:
Nach der verbreiteteren Meinung der Theologen, nach dem heiligen Thomas und dem heiligen Augustinus, vollkommene Tiere hervorbringen, es sei denn, sie stehlen Samen anderswoher und führen ihn auf irgendeine Weise in einen mütterlichen Schoß ein.
Sie können das Universum nicht umstürzen, ganze Hauptteile der Welt von ihren Plätzen bewegen, den Himmel anhalten, ein Vakuum schaffen oder Körper einander durchdringen lassen.
These XLIX
Dämonen können nicht aus sich selbst unmittelbar irgendeine Form, ob substantielle oder akzidentelle (außer dem Ort und wahrscheinlich auch dem Impuls), in Körpern hervorbringen.
Dämonen können nicht aus einem beliebigen Ding unmittelbar ein anderes beliebiges Ding machen, noch einen Körper wahrhaft oder innerlich in einen anderen verwandeln (zum Beispiel einen Menschen in eine Katze, einen Hund usw.). Solche Verwandlungen sind als illusorisch zu betrachten.
Schließlich können Dämonen die Toten nicht ins Leben zurückrufen, zukünftige zufällige Ereignisse, die vom freien Willen des Menschen abhängen, sicher und unfehlbar voraussagen, noch die freien Neigungen des Willens oder die Operationen des Intellekts sicher erkennen. Doch aus Veränderungen des Gesichtsausdrucks, dem Flackern der Augen, Akten der Phantasie usw. können sie darüber höchst scharfsinnig mutmaßen.
These L
Wo weder die Kraft des Wunders, noch der Natur, noch des kunstfertigen Könnens gefunden wird, ist ein Pakt mit dem Teufel vorhanden.
Dies erkläre ich etwas ausführlicher, nach Del Rio, aus drei Hauptgesichtspunkten: aus der Ursache, aus der Beschaffenheit der Handlung und aus der Wirkung selbst.
Erstens, aus der Ursache: Wann immer die Ursache nach dem Urteil der Klugen für die Hervorbringung der Wirkung offensichtlich unzureichend ist; oder wenn der Dämon selbst angerufen wird; oder wenn Gebete verwendet werden, in die fremdländische, sinnlose, zusammenhanglose und sogar falsche Worte eingemischt werden; oder wenn gegen die übliche kirchliche Praxis wundersame Zeichen, Figuren, Bindungen usw. verwendet werden: dort ist ein sicheres Zeichen des Aberglaubens.
Zweitens, aus der Beschaffenheit der Handlung: Wann immer solche Operationen Bedingungen und Umstände an sich haben, die sie dem gewöhnlichen Lauf der Natur entziehen. Zum Beispiel, wenn in kürzester Zeit viele Meilen zurückgelegt werden; oder ein Kranker, ein Pferd oder ein stürzender Berg augenblicklich durch bloße Berührung aufgehalten wird; oder wenn du hier ein Bild des Sokrates durchstichst und er zur selben Zeit in Rom tot umfällt; oder wenn du hier einen Stab oder Dolch bindest und eine damit zugefügte Wunde in München geheilt wird.
Drittens, aus der Wirkung selbst: Wann immer die Wirkungen selbst ihrer Substanz nach alle natürliche Geschicklichkeit und Kraft übersteigen (wie die Wiederherstellung des Lebens oder ganzer Glieder usw.), und in einem solchen Fall keine offensichtliche Heiligkeit der wirkenden Person noch hervorragende Güte des Zwecks diese Wirkungen als himmlisch vindiziert: so halte für gewiss, dass dahinter die Täuschungen böser Dämonen lauern.
Alles zur größeren Ehre Gottes.
Zensoren-Gutachten
Diese Philosophische Disputation über Natur, Kunst und Magie enthält nichts, was der orthodoxen Lehre widerspräche, und behandelt höchst nützliche Materie für viele in knapper und kraftvoller Weise. Sie ist des Druckes und der öffentlichen Prüfung höchst würdig.
So urteile ich,
Georgius Liprandus, von der Gesellschaft Jesu, ordentlicher Professor der Heiligen Theologie und derzeitiger Dekan.
Diese Thesen lehren klar und gelehrt, worin der Unterschied zwischen den wahren und den falschen Künsten des Dämons besteht, und warnen nützlich und klug davor, dass die Aufrichtigkeit guter Geister in schwarzen Betrug und Irrtum geführt werde. Daher erachte ich sie als des Lichtes der Veröffentlichung höchst würdig.
Petrus Hildebrandt, ordentlicher Professor der Heiligen Sprachen und Mathematik, an Stelle des Hochwürdigen und Angesehenen Dekans.
