Venus war der erste Planet, dessen Zyklus antike Zivilisationen im Detail aufzeichneten. Babylonische Astronomen verfolgten das Erscheinen des Planeten als Morgen- und Abendstern und erkannten schließlich, dass beides dasselbe Objekt war. Sie nannten ihn Ishtar, Göttin der Liebe und des Krieges, und erstellten die Venus-Tafel des Ammisaduqa um 1650 v. Chr., eines der ältesten erhaltenen astronomischen Dokumente. Ishtars Doppelnatur als Göttin des Begehrens und der Zerstörung spiegelte die zwei Gesichter des Planeten am Himmel wider. Die Maya entwickelten unabhängig davon präzise Venus-Tafeln und nutzten den 584-tägigen synodischen Zyklus, um Kriege und Krönungen zu timen.
Die griechische Tradition teilte Venus in Phosphorus (den Morgenstern) und Hesperus (den Abendstern), bevor Pythagoras sie um das 6. Jahrhundert v. Chr. als einen Planeten erkannte. Die Römer benannten sie nach ihrer Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit. Ptolemäus klassifizierte Venus als warm und feucht, einen wohltätigen Planeten, der Vergnügen, Kunst und soziale Harmonie brachte. Mittelalterliche Astrologen nannten Venus den „Kleinen Wohltäter“ (Jupiter war der Große) und wiesen ihr die Herrschaft über Stier und Waage zu. Die alchemistische Tradition ordnete Venus dem Kupfer zu, dem Metall, das seit den Minen der Bronzezeit auf Zypern der Göttin heilig war, der Insel, die ihren Namen trug.
Die moderne Astrologie erweiterte Venus über Romantik hinaus zu einem breiteren Prinzip des Wertes. Was man schön findet, wofür man Geld ausgibt, wie man sich zu Vergnügen und Komfort verhält. Psychologische Astrologen wie Liz Greene verbanden Venus mit frühen Erfahrungen von Zuneigung und den in der Kindheit geformten Bindungsmustern. Die Venus-Rückkehr, die ungefähr jedes Jahr stattfindet, markiert einen persönlichen Zyklus der Neubewertung von Beziehungen und kreativen Projekten. In der Mundanastrologie korrelieren Venus-Transite mit kulturellen Trends in Kunst, Mode und gesellschaftlichen Werten.