Merkur trug Botschaften zwischen Welten, lange bevor Astrologen ihm die Herrschaft über Kommunikation zusprachen. In Babylon war der Planet Nabu, Gott der Schrift, der Weisheit und der Schreibkunst. Nabu hütete die Schicksalstafeln, die göttliche Aufzeichnung jedes von den Göttern verfügten Schicksals. Sein Tempel in Borsippa zog Gelehrte und Schreiber an, die glaubten, die Nähe zum Patron des Planeten würde ihren Geist schärfen. Ägyptische Priester identifizierten Merkur mit Thoth, dem ibisköpfigen Gott, der die Hieroglyphen erfand, die Zeit maß und das Gericht über die Toten führte. Beide Kulturen erkannten dasselbe Muster: der schnellste sichtbare Planet beherrschte die schnellste menschliche Fähigkeit, den Verstand.
Die griechische Mythologie benannte den Planeten nach Hermes, dem Trickstergott, der sich frei zwischen Olymp, sterblicher Welt und Unterwelt bewegte. Hermes erfand die Lyra, stahl als Säugling Apollons Rinder und geleitete Seelen ins Jenseits. Ptolemäus klassifizierte Merkur als wandelbar, weder vollständig männlich noch weiblich, die Eigenschaften des nächststehenden Planeten annehmend. Diese Anpassungsfähigkeit wurde zentral für den astrologischen Merkur. Mittelalterliche Astrologen wiesen Merkur die Herrschaft über Kaufleute, Diebe, Gelehrte und Ärzte zu. Die alchemistische Tradition ordnete ihm Quecksilber zu, das einzige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig ist, immer in Bewegung, unmöglich festzuhalten.
Die moderne Astrologie verengte Merkurs Bereich auf Kommunikation, Denken und Informationsverarbeitung. Die Rückläufigkeitsphasen des Planeten, die drei- bis viermal pro Jahr auftreten, wurden zum meistdiskutierten astrologischen Ereignis der Populärkultur. Während der Rückläufigkeit scheint Merkur sich rückwärts durch den Tierkreis zu bewegen, und Astrologen verbinden diese Phasen mit Missverständnissen, technischen Ausfällen und Verzögerungen. Marc Edmund Jones und Dane Rudhyar entwickelten Merkurs psychologische Dimension Mitte des 20. Jahrhunderts und verbanden ihn mit der Fähigkeit des bewussten Geistes, Erfahrungen zu kategorisieren, zu benennen und zu analysieren.