Bestiarium · Esoterisches Symbol
Winkelmaß und Zirkel
Winkelmaß und Zirkel sind das wichtigste Emblem der Freimaurerei. Das Winkelmaß steht für Moral und rechtschaffenes Handeln, der Zirkel für die Grenzen, die ein Freimaurer seinen Begierden setzt. Der Buchstabe G in der Mitte steht je nach Jurisdiktion für Gott oder Geometrie. Das Symbol geht auf die Werkzeuge operativer Steinmetzen im mittelalterlichen England und Schottland zurück, wurde nach der Gründung der ersten Großloge durch vier Londoner Logen im Jahr 1717 formalisiert und ist seither das öffentlich sichtbarste Zeichen einer angeblich geheimen Gesellschaft.
Primärquellen
- Regius Poem (Halliwell-Manuskript, ca. 1390) — das früheste bekannte freimaurerische Dokument, behandelt das Handwerk und seine Bräuche
- Schaw Statutes (1598–1599) — William Schaws Vorschriften für schottische operative Logen
- James Anderson, The Constitutions of the Free-Masons (1723) — die erste veröffentlichte Verfassung der Großloge von England
- William Preston, Illustrations of Masonry (1772) — frühe systematische Erklärung freimaurerischer Symbole
- Albert Mackey, The Symbolism of Freemasonry (1869) — umfassende Darstellung aus dem 19. Jahrhundert
Verwandte Wesen
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- Der heilige Hain Nidhivan
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- Majlis al-Jinn
- Der Berg Hermon: Wo die Wächter fielen
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- Die Stećci-Gräberfelder
- Die Stećci-Nekropolen
- Die Pyramide des Unas
- Blombos-Höhle
- Sungir: Das 34.000 Jahre alte Grab
- Disibodenberg: Hildegards Berg
- Das Mausoleum von Qin Shi Huang
- Chavín de Huántar
- Stonehenge
- El Castillo in Chichén Itzá
- Das Hypogäum von Ħal-Saflieni
- El Dorado
- Bai Ze
- Hundun
- Nuwa
- Xiangliu
- Yush
- Ajdaha
- Adumu
- Akombo
- Colwic
- Die Schlange des Jebel Marra
- Margai
- Piath
- //Gaunab
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- Zanahary
- Sơn Tinh & Thủy Tinh
- Thánh Gióng
- Lạc Long Quân & Âu Cơ
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- Ma'at
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- Thot
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- Apophis / Apep
- Tengri
- Morana / Marzanna
- Triglav
- Agdistis
Winkelmaß und Zirkel sind das öffentlich sichtbarste Symbol der wohl berühmtesten verschwiegenen Bruderschaft der westlichen Welt. Es hängt an Logengebäuden in Kleinstädten auf fünf Kontinenten. Es erscheint auf Ringen, Anstecknadeln, Grabsteinen und den Grundsteinen öffentlicher Gebäude, die in freimaurerischer Zeremonie gelegt wurden. Für eine Geheimgesellschaft waren die Freimaurer mit ihrem Logo nie besonders schüchtern.
Das Symbol verbindet zwei echte Werkzeuge. Das Winkelmaß, ein L-förmiges Instrument zum Prüfen rechter Winkel in behauenem Stein, steht für moralische Rechtschaffenheit. Der Zirkel, mit dem man in Architekturplänen Kreise und Bögen zieht, steht für die Grenzen, die ein Mensch seinen Trieben und seinem Verhalten setzt. Der Buchstabe G, der oft in der Mitte steht, bedeutet je nach Loge und Epoche Gott oder Geometrie.
Vom operativen zum spekulativen Handwerk
Die Werkzeuge stammen aus der Praxis der Steinmetzen. Mittelalterliche Maurer und Steinmetzen, die Kathedralen, Burgen und Brücken errichteten, organisierten sich in Logen, die Ausbildung, Löhne und die Qualität der Arbeit regelten. Das Regius Poem, ein Manuskript aus der Zeit um 1390, das heute in der British Library aufbewahrt wird, ist das früheste bekannte Dokument, das Bräuche und Ordnung des Maurerhandwerks in England beschreibt.
In Schottland erließ William Schaw 1598 und 1599 seine Statuten, die die Struktur der Logen für operative Maurer festlegten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts begannen einige schottische Logen, auch nicht operative Mitglieder aufzunehmen: Herren und Gelehrte, die aus intellektuellen und gesellschaftlichen Gründen beitraten. Das ist der Übergang von der operativen zur spekulativen Freimaurerei, und genau in diesem Moment hörten die Werkzeuge auf, bloß Werkzeuge zu sein, und wurden zu Symbolen.
Am 24. Juni 1717 trafen sich vier Londoner Logen im Gasthaus Goose and Gridiron nahe der St Paul’s Cathedral und gründeten die Großloge von England. Innerhalb von sechs Jahren veröffentlichte der Reverend James Anderson The Constitutions of the Free-Masons, das erste gedruckte Regelwerk der neuen Organisation. Winkelmaß und Zirkel, die auf Logendokumenten bereits vorkamen, wurden damit zum formalen Emblem einer Institution, die sich über Europa, die Amerikas und schließlich die ganze Welt ausbreiten sollte.
Was die Werkzeuge lehren
Das freimaurerische Ritual weist jedem Werkzeug eine bestimmte moralische Lehre zu. Das Winkelmaß lehrt den Freimaurer, seine Handlungen „am Winkelmaß der Tugend auszurichten“, also ehrlich zu handeln und andere gerecht zu behandeln. Der Zirkel lehrt ihn, „seine Begierden zu begrenzen und seine Leidenschaften in gebührenden Schranken zu halten“. Diese Formulierungen stammen aus den Ritualvorträgen der ersten drei Grade: Lehrling, Geselle und Meister.
Auch die Anordnung der beiden Werkzeuge trägt Bedeutung. Im ersten Grad liegt das Winkelmaß über dem Zirkel. Im zweiten sind beide ineinander verschränkt. Im dritten liegt der Zirkel über dem Winkelmaß. Diese Abfolge steht für die Entwicklung des Freimaurers von materiellen Anliegen hin zu geistigem Verständnis. William Prestons Illustrations of Masonry, 1772 veröffentlicht, hat einen großen Teil dieses symbolischen Rahmens festgeschrieben.
Das G und die Spaltung
Der Buchstabe G wirft die hartnäckigste Frage der freimaurerischen Symbolik auf. In englischsprachigen Jurisdiktionen müssen Kandidaten den Glauben an ein Höchstes Wesen bekennen, um aufgenommen zu werden. Das G steht in diesen Logen für Gott, auch wenn das Ritual die genaue Natur dieser Gottheit dem Einzelnen überlässt. Freimaurer nennen dieses Wesen den Großen Baumeister des Universums.
1877 strich der Grand Orient de France die Pflicht zum Gottesglauben aus seiner Verfassung. Diese Entscheidung spaltete die weltweite Freimaurerei in zwei große Lager, die einander offiziell nicht anerkennen. Angloamerikanische Logen, die an der Pflicht festhalten, betrachten den Grand Orient als irregulär. Kontinentale Logen in französischer Tradition halten die Pflicht dagegen für eine unnötige theologische Einschränkung einer Bruderschaft, die eigentlich alle rechtschaffenen Männer aufnehmen sollte.
Das G steht in Logen, die der französischen Tradition folgen, allein für Geometrie. Derselbe Buchstabe, an derselben Stelle, im selben Symbol, bedeutet also Unterschiedliches, je nachdem, auf welcher Seite des Ärmelkanals man steht.
Weiterführende Lektüre
- Der Ursprungsmythos der Freimaurer. Die Logentradition, die diese Werkzeuge zu ihrem zentralen Emblem machte.
- Auge der Vorsehung. Das allsehende Auge, das die Freimaurerei übernahm und mit dem sie heute untrennbar verbunden ist.
- Rosenkreuz. Das rosenkreuzerische Emblem, das die freimaurerischen Rituale höherer Grade beeinflusste.
Quellen
Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.
- Regius Poem (Halliwell-Manuskript, ca. 1390) — das früheste bekannte freimaurerische Dokument, behandelt das Handwerk und seine Bräuche
- Schaw Statutes (1598–1599) — William Schaws Vorschriften für schottische operative Logen
- James Anderson, The Constitutions of the Free-Masons (1723) — die erste veröffentlichte Verfassung der Großloge von England
- William Preston, Illustrations of Masonry (1772) — frühe systematische Erklärung freimaurerischer Symbole
- Albert Mackey, The Symbolism of Freemasonry (1869) — umfassende Darstellung aus dem 19. Jahrhundert
