Bestiarium · Berggeist / kriegerischer Trickster
Tengu
Tengu: die langnasigen Berggeister des japanischen Volksglaubens. Krieger, Trickster und Meister der Schwertkunst. Sie lehrten Minamoto no Yoshitsune das Kämpfen.
Primärquellen
- Konjaku Monogatarishū (12. Jahrhundert): Tengu-Geschichten
- Gikeiki (Chronik des Yoshitsune, 15. Jahrhundert): Yoshitsune wird von Tengu ausgebildet
Verwandte Wesen
- Kitsune
- Kappa
Shapeshifter
- Dantalion
- Ornias
- Amon
- Bael
- Onoskelis
- Enepsigos
- Sakhr
- Benandanti
- Krsnik
- Vještica
- Burde
- Selkie
- Jorōgumo
- Tanuki
- Eshu
- Māui
- Hermes
- Merkur
- Loki
- Der Hoia-Baciu-Wald
- Pleternica: Krauss’ Dorf
- Vučji pastir
- La Patasola
- El Mohán
- Peri
- Agwu
- Bori-Geister (Iskoki)
- Emere
- Evus (Evu)
- /Kaggen
- Ravana
- Ngürüvilu
- Hồ Tinh
- Naga
- Iara
- Saci-Pererê
- Boto
- Curupira
- Patupaiarehe
- Aisha Qandicha
- Moura Encantada
- Teryel
- Kitsune
- Coyote
- Skinwalker / Yee Naaldlooshii
- Bastet
- Adze
- Mami Wata
- Anansi
- Pombero
Die frühesten japanischen Texte beschreiben Tengu als Dämonen, die buddhistische Priester vom rechten Weg abbringen. Das Nihon Shoki (720 n. Chr.) erwähnt eine Sternschnuppe namens amatsu-kitsune (himmlischer Fuchs), die ein chinesischer Mönch als Tengu deutete. Das chinesische Schriftzeichen bedeutet „himmlischer Hund“ und stammt aus der chinesischen Astronomie. In Japan verband sich der Name jedoch mit etwas anderem: Berggeistern mit Flügeln, Schnäbeln oder langen roten Nasen und einer ausgeprägten Neigung zur Gewalt.
Zwei Formen
Die ältere Form ist der Karasu-Tengu, der Krähen-Tengu: klein, mit Schnabel, schwarzen Federn und klauenbewehrten Füßen. Die spätere und angesehenere Form ist der Daitengu, der Große Tengu: hochgewachsen, menschenähnlich, mit langer roter Nase und in den Gewändern eines Bergasketen (yamabushi). Daitengu tragen Federfächer, mit denen sie Sturmwinde erzeugen können. Sie sind stolz, leicht zu beleidigen und jeder menschlichen Kriegergestalt an Können überlegen.
Yoshitsune
Die berühmteste Tengu-Erzählung verbindet sie mit Minamoto no Yoshitsune, dem Samurai des 12. Jahrhunderts, der seinem Bruder half, den Genpei-Krieg zu gewinnen. Dem Gikeiki zufolge trainierte der junge Yoshitsune auf dem Berg Kurama unter dem Tengu-König Sōjōbō, der ihn in Schwertkunst, Strategie und jener übernatürlichen Beweglichkeit unterwies, die ihn auf dem Schlachtfeld berühmt machte. Der historische Yoshitsune war tatsächlich ein militärisches Genie. Die Tengu lieferten der Legende ihre Erklärung.
Hüter der Berge
Bis zur Edo-Zeit (1603–1868) hatten sich Tengu von Dämonen zu Beschützern gewandelt. Schreine an Bergpfaden ehren sie. Wanderer hinterlassen Opfergaben. Die langnasigen Masken tauchen auf Festen in ganz Japan auf. Diese Verwandlung spiegelt wider, wie der japanische Buddhismus Volksgeister in die religiöse Landschaft aufnahm: Was sich nicht besiegen lässt, wird integriert.
