Bestiarium · Gestaltwandelnder Trickster

Tanuki

Tanuki: der japanische Marderhund als Gestaltwandler. Er verwandelt sich, indem er sich ein Blatt auf den Kopf legt. Seinen übergroßen Hodensack benutzt er als Trommel, Decke, Fischernetz und Regenschirm. Die Statuen stehen vor fast jeder japanischen Kneipe.

Tanuki
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Der Tanuki ist ein echtes Tier. Nyctereutes procyonoides, der japanische Marderhund, ist ein Hundeartiger, der wie ein Waschbär aussieht, aber näher mit Füchsen verwandt ist. Er lebt in ganz Japan, geht in der Dämmerung auf Nahrungssuche und gehört seit Jahrtausenden zum japanischen Alltag. Irgendwann beschlossen die Japaner, aus ihm einen Gestaltwandler zu machen.

Die Verwandlung

Der Tanuki verwandelt sich, indem er sich ein Blatt auf den Kopf legt. Das Blatt, meist von einer Lotus- oder Paulownie, löst die Verwandlung aus. Ein Tanuki kann zu einem Menschen, einem Mönch, einem Samurai, einer Frau, einem Teekessel, einem Tempel oder zu allem anderen werden, was er sich vorstellen kann. Die Verwandlungen sind nicht perfekt. Ein als Mönch verkleideter Tanuki könnte durch seinen Schwanz auffliegen — oder dadurch, dass er zu viel Sake trinkt und die Konzentration verliert.

Der Hodensack

Das auffälligste Merkmal des Tanuki in der Volksüberlieferung ist sein gewaltig vergrößerter Hodensack. In Holzschnitten von Kuniyoshi und anderen Künstlern der Edo-Zeit spannen Tanuki ihn zu fantastischen Ausmaßen auf: als Trommel, Fischernetz, Bootssegel, Regenschutz, Ringermatte oder Decke. Die Bildsprache ist komisch, nicht sexuell. Der echte japanische Marderhund hat im Verhältnis zur Körpergröße tatsächlich auffallend große Hoden, und die Volksüberlieferung machte aus dieser Beobachtung einen Running Gag, der sich seit Jahrhunderten hält.

Die Statuen

Keramische Tanuki-Statuen stehen in ganz Japan vor Restaurants, Bars und Läden. Die Standardform zeigt einen runden Bauch, einen Strohhut, eine Sakeflasche, einen Schuldschein für unbezahlte Rechnungen und die übergroßen Hoden. Die Statuen gelten als Glücksbringer. Sie laden den Wohlstand ein. Die acht Merkmale der traditionellen Statue stehen jeweils für eine Tugend: Der Hut symbolisiert Schutz, die großen Augen gutes Urteilsvermögen, die Sakeflasche Tugend und die Hoden finanzielles Glück.

Quellen

Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.

  • Japanische Volksüberlieferung
  • Toriyama Sekien, Gazu Hyakki Yagyō (1776)
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