Bestiarium · Paläolithische Bestattung / Ältester Hinweis auf ein Jenseits
Sungir: Das 34.000 Jahre alte Grab
Eine paläolithische Grabstätte bei Wladimir in Russland, in der zwei Kinder Kopf an Kopf mit über 13.000 Perlen aus Mammutelfenbein und Speeren aus begradigten Mammutstoßzähnen bestattet wurden. Der älteste Hinweis auf den Glauben an ein Jenseits.
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Sungir ist eine paläolithische Grabstätte am Rand von Wladimir, etwa 200 Kilometer östlich von Moskau. Entdeckt wurde sie 1955 beim Bau einer Tongrube. Die dort gefundenen Bestattungen sind ungefähr 34.000 Jahre alt.
Die Gräber
Die Fundstätte enthält mehrere Bestattungen. Am eindrucksvollsten ist ein Doppelgrab mit zwei Jugendlichen, einem Jungen und einem Mädchen, die Kopf an Kopf niedergelegt wurden. Sie waren mit über 13.000 Perlen aus Mammutelfenbein bedeckt, jede etwa so groß wie eine kleine Münze. Die experimentelle Archäologie geht davon aus, dass das Schnitzen jeder einzelnen Perle ungefähr fünfundvierzig Minuten dauerte. Allein der Arbeitsaufwand für die Perlen übersteigt 10.000 Stunden.
Die Grabbeigaben
Neben den Körpern lagen Speere aus begradigten Mammutstoßzähnen — eine technische Leistung, für die das Elfenbein eingeweicht, erhitzt und langsam in Form gezwungen werden musste. Geschnitzte Elfenbeintiere, durchbohrte Anhänger aus Fuchszähnen und Elfenbeinscheiben lagen zwischen den Perlen. Roter Ocker bedeckte alles.
Was das bedeutet
Man verbringt keine 10.000 Stunden mit der Vorbereitung von Grabbeigaben, wenn man nicht glaubt, dass die Toten sie benutzen werden. Man bestattet keine funktionalen Waffen, wenn man nicht glaubt, dass die Toten sie brauchen werden. Die Bestattungen von Sungir beweisen keinen Jenseitsglauben, aber sie zeigen, dass Menschen vor 34.000 Jahren außergewöhnliche Ressourcen in den Umgang mit den Toten investierten. Was auch immer sie glaubten — sie glaubten stark genug daran, um mit enormem Aufwand danach zu handeln.
