Bestiarium · Ort der Massenhysterie / Historisches Ereignis
Straßburg: Der Platz der Tanzplage
Der Straßburger Marktplatz, auf dem im Juli 1518 bis zu 400 Menschen wochenlang unkontrolliert tanzten. Stadtakten dokumentieren die Reaktion der Behörden: Sie errichteten eine Bühne und engagierten Musiker, in der Hoffnung, die Tänzer würden sich erschöpfen.
Night Terror
- Noćnica
- Onoskelis
- Obyzouth
- Enepsigos
- Poludnitsa
- Vještica
- Burde
- Soucouyant
- Gorée-Insel
- Historische Stätte Port Arthur
- Das Schlachtfeld von Gettysburg
- Das Tor zur Hölle (Darvaza-Gaskrater)
- Tuol Sleng (S-21)
- Die königlichen Gräber von Gyeongju
- Penanggalan
- La Llorona
- Der Hoia-Baciu-Wald
- Isla de las Muñecas
- Die Edinburgh Vaults
- Pleternica: Krauss’ Dorf
- Castel Sant’Angelo
- Tometino Polje
- Das Kloster von Aix-en-Provence
- Das Kloster von Aix-en-Provence
- Burg Čachtice
- Der Aokigahara-Wald
- Das Pfarrhaus von Borgvattnet
- Die Insel Poveglia
- Fort Bhangarh
- Leap Castle
- Burg Houska
- Piazza Statuto, Turin
- 50 Berkeley Square
- Borley Rectory
- Der Tower of London
- Der Geist von Cock Lane
- Der Trommler von Tedworth
- Woodstock-Palast
- Kuga
- El Sombrerón
- La Patasola
- Dogir
- Ombwiri
- Kinoly
- Churel
- Ma Da
- Caleuche
- Invunche
- Patupaiarehe
- Aisha Qandicha
- Cŵn Annwn
- Santa Compaña
- Hekate
- Kel Essuf
- Kitsune
- Skinwalker / Yee Naaldlooshii
- Adze
- Egbere
- Pombero
- Sanguma
- Albasty
- Mora
Im Juli 1518 trat eine Frau, die als Frau Troffea bekannt ist, in eine enge Straße in Straßburg und begann zu tanzen. Tagelang hörte sie nicht auf. Innerhalb einer Woche hatten sich ihr vierunddreißig weitere Menschen angeschlossen. Innerhalb eines Monats stieg die Zahl laut einigen Berichten auf bis zu vierhundert.
Die Reaktion
Die Reaktion des Straßburger Stadtrats ist in den eigenen Archiven dokumentiert. Man verhaftete die Tänzer nicht und rief auch keinen Exorzismus aus. Stattdessen errichtete man eine hölzerne Bühne, engagierte Musiker und zog professionelle Tänzer hinzu, weil man meinte, die Betroffenen müssten den Zwang einfach aus ihrem Körper heraustanzen. Die Strategie scheiterte. Einige Tänzer brachen vor Erschöpfung zusammen oder starben an Schlaganfällen oder Herzversagen.
Als der musikalische Ansatz nicht funktionierte, schlugen die Behörden den entgegengesetzten Weg ein. Sie verboten öffentliches Tanzen, schlossen die Tanzhäuser und brachten die verbliebenen Tänzer zu einem Bergheiligtum am Hohlenstein, das dem heiligen Vitus geweiht war. Dort erhielten sie kleine Kreuze und rote Schuhe und wurden betend um eine hölzerne Figur des Heiligen geführt.
Die Erklärungen
Die gängige moderne Hypothese, vertreten unter anderem vom Historiker John Waller, lautet: stressbedingte massenpsychogene Erkrankung. Straßburg litt 1518 unter Hungersnot, Pocken und Syphilis. Die Bevölkerung stand unter außergewöhnlichem Druck. Das Tanzen könnte ein kulturell geprägter Ausdruck kollektiver psychischer Not gewesen sein.
Eine ältere Theorie vermutet Mutterkornvergiftung durch verunreinigtes Getreide. Mutterkorn enthält Verbindungen, die mit LSD verwandt sind. Doch diese Theorie hat Probleme: Ergotismus führt typischerweise zu Gefäßverengung und Brand, nicht zu koordiniertem Tanzen.
Die ganze Geschichte findest du hier: Die Tanzplage von 1518: Als Straßburg sich zu Tode tanzte
Besuch
Der alte Marktplatz, auf dem das Tanzen begann, liegt im Zentrum von Straßburg, nahe der Kathedrale. Die Stadtarchive bewahren die ursprünglichen Ratsprotokolle auf. Das Heiligtum am Hohlenstein, zu dem die Tänzer gebracht wurden, liegt außerhalb der Stadt. Von Paris aus ist Straßburg mit dem TGV leicht zu erreichen, in weniger als zwei Stunden.
