Bestiarium · Ort volkskundlicher Feldforschung

Pleternica: Krauss’ Dorf

Die slawonische Stadt, in der Friedrich Krauss’ Mutter in den 1880er Jahren aus erster Hand Berichte über Vampire, Werwölfe und Moras von ihren Nachbarn sammelte. Die Quelle einiger der detailliertesten jemals veröffentlichten volkskundlichen Feldaufzeichnungen.

Pleternica: Krauss’ Dorf
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Pleternica ist eine kleine Stadt in der Gespanschaft Požega-Slawonien im Osten Kroatiens. In den 1880er Jahren entstand dort einiges von der detailliertesten volkskundlichen Feldforschung, die im südslawischen Raum je aufgezeichnet wurde – nicht durch irgendeine akademische Institution, sondern durch eine Frau, die aufschrieb, was ihre Nachbarn ihr erzählten.

Friedrich Krauss und seine Mutter

Friedrich Salomo Krauss war ein in Požega geborener Ethnograf, der südslawische Volksüberlieferungen in geradezu industriellem Maßstab sammelte. Seine wertvollste Quelle war seine eigene Mutter, die in Pleternica lebte und Berichte von Frauen aus der Stadt aufzeichnete. Es handelte sich nicht um Nacherzählungen aus zweiter Hand, sondern um direkte Niederschriften persönlicher Erlebnisse – im Dialekt, mit Namen und konkreten Orten.

Die Berichte

Manda Lučić schilderte, wie sie eine Mora dabei erwischte, nachts auf ihre Brust zu drücken. Manda Superina erzählte von einer Henne, die keuchte und sich wie ein Fass aufblähte – ein Zeichen von Hexerei. Eine Frau aus Trapari berichtete von einer Werwolffrau, die an einer Wegkreuzung einen Widder im Ganzen fraß. Diese Geschichten wurden in Krauss’ Zeitschriften und Büchern veröffentlicht und bewahrten jene konkrete Detailfülle, die den meisten volkskundlichen Sammlungen in der Überlieferung verloren geht.

Warum Pleternica wichtig ist

Die meisten Volkskundesammler des 19. Jahrhunderts fassten ihr Material zusammen, bearbeiteten es und romantisierten es. Krauss veröffentlichte die Berichte so nah am Wortlaut, wie es das Medium zuließ. Das Ergebnis ist ein Zeugnis dörflicher Glaubensvorstellungen, das eher wie eine Aussage wirkt als wie Literatur. Die Moras, Vampire und Werwölfe von Pleternica sind keine Archetypen. Es sind Dinge, von denen konkrete Menschen sagten, dass sie ihnen widerfahren seien.

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