Bestiarium · Dämon
Onoskelis
Onoskelis ist ein weiblicher Dämon im Testament Salomos, mit dem Oberkörper einer schönen Frau und den Beinen eines Maultiers. Ihr Name stammt aus dem Griechischen: onos (Esel) und skelos (Bein). Sie lebt in Höhlen und Schluchten, verführt Männer und erwürgt sie. Salomo verhört sie und setzt sie dazu ein, Hanf für die Tempelseile zu spinnen. Bezwingt wird sie vom Engel Joel. Das Testament ist der einzige antike Text, der sie namentlich erwähnt.
Primärquellen
- Testament Salomos (griechischer Text, 1.–5. Jahrhundert n. Chr.) — die einzige antike Quelle
- C. C. McCown, The Testament of Solomon (1922) — kritische Edition des griechischen Textes
- Dennis C. Duling, 'The Testament of Solomon' in The Old Testament Pseudepigrapha, Bd. 1, hrsg. von James H. Charlesworth (1983)
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Onoskelis ist ein Dämon mit dem Körper einer Frau und den Beinen eines Maultiers. Das Testament Salomos, ein griechischer Text, der zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert n. Chr. entstand, ist die einzige antike Quelle, die sie namentlich erwähnt. Salomo beschwört sie, verhört sie und setzt sie dazu ein, Hanf für die Tempelseile zu spinnen. Ihr Zeugnis ist kurz. Ihr Bild ist präzise genug, um die Vergessenheit des Textes, in dem es überliefert ist, zu überdauern.
Das Verhör
Das Testament Salomos folgt einem wiederkehrenden Muster. Jeder Dämon wird vor Salomos Thron gebracht und gezwungen, dieselben Fragen zu beantworten: Wie heißt du? Was tust du den Menschen an? Welcher Engel besiegt dich? Onoskelis beantwortet alle drei.
Ihr Name ist ihr Körper. Onos ist griechisch für Esel; skelos bedeutet Bein. Sie sagt Salomo, sie sei aus einer unerwarteten Stimme geboren worden, ein Geist, entstanden aus dem Echo in einer bewaldeten Höhle. Sie lebt in Schluchten und Höhlen, an Orten an der Grenze zwischen der geordneten Welt und der Wildnis. Sie verführt Männer, die diese Orte durchqueren, und erwürgt sie, sobald die Begegnung vorbei ist.
Salomo fragt, was sie aufhält. Sie nennt den Engel Joel. Salomo versieht sie mit dem Siegel und weist ihr die Aufgabe zu, Tag und Nacht Hanf für die Tempelseile zu spinnen. Sie reiht sich ein in die Arbeitskraft der Dämonen, die Gottes Haus errichten, wobei die Strafe jedes Einzelnen genau auf sein Verbrechen abgestimmt ist: Die Verführerin wird zur Spinnerin, die Gewalttätigen werden zu Steinbrechern, die Luftwesen zu Trägern von Steinblöcken.
Die Frau mit den Maultierbeinen
Die Tierbeine sind das Detail, das hängen bleibt. Die antike mediterrane Dämonologie ist voller schöner Frauen, die sich als gefährlich erweisen, doch Onoskelis wird durch eine sichtbare Missgestalt definiert, die sich nicht verbergen lässt. Die Maultierbeine verraten, was sie ist, noch bevor sie handelt. In einem Text, in dem viele Dämonen in menschlicher Gestalt erscheinen und erst durch das Verhör identifiziert werden müssen, trägt Onoskelis ihr Wesen offen am Körper.
Die griechische Empusa, ein gestaltwandelndes Wesen aus dem Umkreis der Hekate, wurde manchmal mit einem bronzenen Bein und einem Eselsbein beschrieben. Aristophanes erwähnt sie in den Fröschen (405 v. Chr.). Die Parallele ist so deutlich, dass Forscher die Verbindung bemerkt haben, ohne jedoch eine eindeutige Einflussrichtung nachweisen zu können. Möglicherweise ist die Empusa-Tradition in die Darstellung der Onoskelis im Testament eingeflossen, oder beide greifen auf eine ältere mediterrane Angstvorstellung zurück: Frauen mit tierischen Merkmalen als Zeichen dämonischer Herkunft.
Das Muster
Onoskelis ist einer von drei namentlich genannten weiblichen Dämonen im Testament Salomos, neben Obyzouth und Enepsigos. Jede von ihnen wirkt auf andere Weise. Onoskelis verführt und tötet einzelne Männer an wilden Orten. Obyzouth hat es auf Neugeborene abgesehen. Enepsigos wechselt ihre Gestalt und wohnt im Mond. Zusammen zeichnen sie drei Kategorien weiblicher dämonischer Bedrohung nach, wie die antike Welt sie verstand: sexuelle Räuberei, Säuglingssterblichkeit und lunatischen Wahnsinn.
Das Testament moralisiert diese Gestalten nicht. Es katalogisiert sie. Salomo stellt Fragen, notiert Antworten, verhängt Strafen und geht zum nächsten Dämon über. Der Text liest sich weniger wie Theologie als wie ein Feldführer durch die unsichtbare Welt, zusammengestellt von einem König, der die Autorität hatte, jeden Geist der Schöpfung zu einem Verhör antreten zu lassen.
Weiterführende Lektüre
- Das Testament Salomos. Der vollständige Artikel über den Text, der das Verhör der Onoskelis enthält.
- Obyzouth. Die gliederlose Kindsmörderin, ein weiterer weiblicher Dämon aus demselben Text.
- Lilith. Der berühmteste weibliche Dämon der jüdischen Tradition, der thematisch einiges mit Onoskelis gemeinsam hat.
Quellen
Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.
- Testament Salomos (griechischer Text, 1.–5. Jahrhundert n. Chr.) — die einzige antike Quelle
- C. C. McCown, The Testament of Solomon (1922) — kritische Edition des griechischen Textes
- Dennis C. Duling, ‘The Testament of Solomon’ in The Old Testament Pseudepigrapha, Bd. 1, hrsg. von James H. Charlesworth (1983)
