Bestiarium · Hain des göttlichen Tanzes / Lebendiges Ritual

Nidhivan, der heilige Hain

Ein heiliger Hain in Vrindavan, Indien, in dem Krishna und Radha jede Nacht ihren göttlichen Tanz vollführen sollen. Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Hain verschlossen und verriegelt. Priester legen jeden Abend Betten und Süßigkeiten bereit und finden sie am Morgen benutzt vor.

Nidhivan, der heilige Hain
Typ Hain des göttlichen Tanzes / Lebendiges Ritual
Herkunft Indien
Zeitraum 16. Jahrhundert bis heute
Mystery God
Cosmic Principle
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Nidhivan ist ein heiliger Hain in der Stadt Vrindavan im Distrikt Mathura in Uttar Pradesh, Indien. Er ist klein, etwa zwei Hektar groß, und von Mauern umgeben. Die Bäume darin sind Tulsi (heiliges Basilikum) und Kadamb. Man glaubt, dass dies der Ort ist, an dem Krishna und Radha jede Nacht die Raas Leela, ihren göttlichen Tanz, vollführen.

Das Ritual

Jeden Abend bereiten die Tempelpriester in einer kleinen Kammer innerhalb des Hains ein Bett vor, zusammen mit Schmuck, einem Satz Kleidung, Paan (Betelblatt), Süßigkeiten und einer Neem-Zahnbürste. Dann verschließen sie die Tore. Bis zum Morgen betritt niemand den Ort. Wenn die Priester bei Tagesanbruch zurückkehren, berichten sie, dass in dem Bett geschlafen wurde, das Paan gekaut, die Süßigkeiten gekostet und die Zahnbürste benutzt worden sei. Diese Praxis wird seit ungefähr fünfhundert Jahren fortgeführt.

Das Verbot

Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Hain verriegelt und abgesperrt. Schilder warnen Besucher, dass jeder, der versucht, die Raas Leela direkt zu beobachten, die Folgen tragen werde: Blindheit, Wahnsinn oder Tod. Anwohner erzählen von Menschen, die sich nachts im Hain verstecken wollten und am nächsten Morgen in einem Zustand des Schocks gefunden wurden, unfähig zu sprechen. Diese Berichte gehören zur mündlichen Überlieferung und sind keine dokumentierten Aufzeichnungen, doch sie sind bemerkenswert einheitlich und konkret.

Die Bäume

Die Bäume von Nidhivan wachsen paarweise, ihre Stämme ineinander verschlungen. Dem lokalen Glauben nach sind die Bäume Gopis, die Hirtinnen von Vrindavan, die nachts mit Krishna tanzen und bei Tagesanbruch wieder zu Bäumen werden. Botanisch hat der Hain tatsächlich einen ungewöhnlichen Charakter: Die Bäume stehen dicht gedrängt, wachsen niedrig und verhaken sich auf eine Weise miteinander, die das Durchqueren schwierig macht.

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