Bestiarium · Dämon

Mephistopheles

Mephistopheles ist ein Dämon, der erstmals namentlich in der Historia von D. Johann Fausten von 1587 erscheint, dem anonymen deutschen Volksbuch, das die Faustlegende begründete. Er ist weder eine biblische noch eine antike Gestalt. Er gehört vollständig zur frühneuzeitlichen europäischen Literatur. Christopher Marlowe brachte ihn 1592 auf die Bühne. Goethe schrieb sechzig Jahre lang an ihm und machte ihn zu einer Schlüsselfigur des größten Werks der deutschen Literatur. Seine Etymologie ist bis heute umstritten: Griechische, hebräische und lateinisch-griechische Mischtheorien finden alle wissenschaftliche Unterstützung.

Mephistopheles
Typ Dämon
Herkunft Deutschland (Faustbuch von 1587)
Zeitraum 1587 n. Chr. – heute
Primärquellen
  • Historia von D. Johann Fausten (1587, Frankfurt, Johann Spies) — erste Erwähnung des Namens
  • Christopher Marlowe, The Tragical History of the Life and Death of Doctor Faustus (ca. 1592)
  • Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Der Tragödie erster Teil (1808) und Faust: Der Tragödie zweiter Teil (1832)
  • Wolfenbütteler Handschrift (ca. 1580–1587) — frühere, kürzere Fassung des Faustbuchs
Verwandte Wesen
Demon King
Trickster
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Mephistopheles hat keinen antiken Stammbaum. Er erscheint in keinem biblischen Text, keiner talmudischen Passage, keinem griechischen Zauberpapyrus und keiner mesopotamischen Beschwörung. Geboren wurde er in einer Frankfurter Druckerei im September 1587, als der Verleger Johann Spies die Historia von D. Johann Fausten veröffentlichte, ein Volksbuch in siebenundsechzig Kapiteln über einen Mann, der seine Seele verkaufte und dafür vierundzwanzig Jahre dämonischer Dienste erhielt.

Der Dämon, der für diesen Dienst eingeteilt wurde, war Mephistopheles. Innerhalb von fünfzehn Jahren stand er auf der Londoner Bühne. Innerhalb von zwei Jahrhunderten rückte er ins Zentrum des größten Werks in deutscher Sprache.

Das Faustbuch von 1587

Der historische Johann Georg Faust war ein wandernder Astrologe, Alchemist und Handleser, der zwischen ungefähr 1507 und 1540 in Süddeutschland eine Spur in den Akten hinterließ. Er wurde vom Abt Trithemius denunziert, von einem Bischof bezahlt, aus Ingolstadt ausgewiesen und in Nürnberg abgewiesen. Er starb offenbar bei einer alchemistischen Explosion in Staufen im Breisgau.

Das Volksbuch von 1587 nahm diese verstreuten Fakten und machte daraus eine Geschichte: Faust beschwört einen Geist, handelt einen Pakt aus, erhält vierundzwanzig Jahre Dienst im Tausch gegen seine Seele, reist durch die Welt, vollbringt Wunder und wird von Dämonen in Stücke gerissen, als der Vertrag ausläuft. Das Volksbuch war eine lutherische Moralerzählung, durchdrungen von Warnungen vor intellektuellem Hochmut und den Gefahren der Grenzüberschreitung. Bis 1600 erschien es in zweiundzwanzig Auflagen.

Mephistopheles ist in diesem Text ein Diener. Er beantwortet Fragen, beschafft Speisen und Wein, trägt Faust durch die Luft und arrangiert Schauspiele an den Höfen von Fürsten. Er ist gehorsam, aber nicht unterwürfig. Als Faust nach dem Wesen der Hölle fragt, antwortet Mephistopheles mit einer Direktheit, die den theologischen Rahmen des Volksbuchs kaum fassen kann.

Eine Wolfenbütteler Handschrift aus der Zeit um 1580–1587, die nur vierundvierzig Kapitel und weniger religiösen Kommentar enthält, gilt als näher am Original als die Spies-Ausgabe. Spies fügte für sein lutherisches Verlagshaus eine starke theologische Rahmung hinzu.

Marlowe und Goethe

Christopher Marlowe brachte Doctor Faustus um 1592 auf die Bühne, fünf Jahre nach der Veröffentlichung des Volksbuchs. Sein Mephistopheles spricht eine Zeile, die alles übertrifft, was das Volksbuch sich vorgestellt hatte. Auf die Frage, warum er die Hölle verlassen habe, antwortet Mephistopheles: Dies ist die Hölle, und ich bin nicht außerhalb von ihr. In Marlowes Fassung ist die Hölle kein Ort, sondern ein Zustand — die dauerhafte Abwesenheit Gottes, erlebt von einem Wesen, das einst seine Gegenwart kannte.

Goethe arbeitete ungefähr sechzig Jahre an Faust, von etwa 1771 bis zu seinem Tod 1832. Sein Mephistopheles ist etwas, das das Volksbuch von 1587 sich nicht hätte ausdenken können: ein philosophischer Ironiker, der sich selbst als Teil jener Kraft beschreibt, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Er ist charmant, selbstbewusst und gelegentlich sogar sympathisch. Der Pakt wird in Goethes Fassung zur Wette. Faust wettet mit Mephistopheles, dass er niemals einen einzigen Augenblick finden wird, der ihn so vollkommen erfüllt, dass er ihn für immer festhalten möchte. Gelingt das doch, gewinnt Mephistopheles seine Seele.

Goethes Faust wird gerettet. Die Entwicklung kehrt sich um: von der Verdammnis im Volksbuch über Marlowes Ambivalenz bis zur Erlösung. Mephistopheles verliert die Wette. Der Bogen der Figur über zweieinhalb Jahrhunderte reicht vom Vollstrecker einer Moralerzählung bis zum komplexesten Teufel der westlichen Literatur.

Der Name ohne Ursprung

Die Etymologie von Mephistopheles bleibt eine offene Frage. Drei Haupttheorien konkurrieren miteinander. Die griechische Herleitung schlägt me (nicht) + phos (Licht) + philos (Freund/Liebhaber) vor: „kein Freund des Lichts“. Die hebräische Herleitung verbindet mephitz (Zerstörer) mit tophel (Lügner). Eine dritte Theorie kombiniert das lateinische mephitis — eine schädliche Ausdünstung aus der Erde, verbunden mit vulkanischen Gasen — mit griechischen Elementen.

Für alle drei Theorien gibt es Gelehrte, die sie vertreten. Bewiesen ist keine. Die Wolfenbütteler Handschrift schreibt den Namen anders als die Spies-Ausgabe, und in der frühen Drucküberlieferung tauchen verschiedene Varianten auf. Der anonyme Autor des Volksbuchs von 1587 könnte den Namen vollständig neu erfunden oder aus einer Quelle übernommen haben, die nicht erhalten geblieben ist. Klar ist nur: Kein früherer Text verwendet ihn. Mephistopheles kam mit dem Faustbuch in die Welt — und überlebte es.

Weiterführende Lektüre

Quellen

Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.

  • Historia von D. Johann Fausten (1587, Frankfurt, Johann Spies) — erste Erwähnung des Namens
  • Christopher Marlowe, The Tragical History of the Life and Death of Doctor Faustus (ca. 1592)
  • Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Der Tragödie erster Teil (1808) und Faust: Der Tragödie zweiter Teil (1832)
  • Wolfenbütteler Handschrift (ca. 1580–1587) — frühere, kürzere Fassung des Faustbuchs
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