Bestiarium · Gott der Anfänge und Türschwellen
Janus
Janus: der zweigesichtige römische Gott der Anfänge, Türschwellen und Übergänge. Er hatte kein griechisches Gegenstück. Der Januar ist sein Monat. Die Türen seines Tempels standen im Krieg offen und im Frieden geschlossen. Fast nie waren sie geschlossen.
Primärquellen
- Ovid, Fasti I: Janus spricht über sich selbst
- Livius, Ab Urbe Condita: die Türen des Janustempels
- Macrobius, Saturnalia I.9: Theologie des Janus
- Plutarch, Numa: Janustempel von Numa Pompilius geschlossen
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Jedes römische Gebet begann mit Janus. Vor Jupiter, vor jeder anderen Gottheit, rief der Priester den Gott der Anfänge an. Ovid lässt Janus in den Fasti selbst erklären, warum: „Was immer du siehst – Himmel, Meer, Wolken, Erde –, alles wird durch meine Hand geschlossen und geöffnet.“ Den Gott, der über Schwellen herrscht, muss man zuerst passieren.
Die zwei Gesichter
Janus blickte zugleich nach vorn und nach hinten. Römische Münzen zeigten ihn schon in frühester Zeit so. Er sah Vergangenheit und Zukunft, Innen und Außen, Anfang und Ende. Das Bild war nicht bloß metaphorisch. Römische Türschwellen waren heilige Grenzen, und Janus war die Macht, die in ihnen wohnte. Das Wort janua (Tür) trägt seinen Namen in sich.
Die Tempeltüren
Der Janustempel auf dem römischen Forum hatte ein auffälliges Ritual: Seine Türen standen im Krieg offen und wurden im Frieden geschlossen. Livius berichtet, dass sie in der gesamten Geschichte der Republik nur dreimal geschlossen waren. Einmal unter Numa Pompilius, dem legendären zweiten König. Einmal nach dem Ersten Punischen Krieg. Und einmal unter Augustus, der großen Wert darauf legte, sie zu schließen, um die Pax Romana öffentlich zu inszenieren. Die meiste Zeit von sieben Jahrhunderten standen die Türen offen. Rom war fast immer im Krieg.
Kein griechisches Gegenstück
Janus hat kein Gegenstück in der griechischen Mythologie. Die meisten römischen Götter wurden durch die interpretatio Romana mit griechischen Gottheiten gleichgesetzt: Jupiter mit Zeus, Mars mit Ares, Venus mit Aphrodite. Janus steht allein. Er scheint eine wirklich einheimische italische Gottheit zu sein, bewahrt aus einer älteren religiösen Schicht, die noch vor dem hellenisierenden Einfluss lag, der die römische Religion im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. umformte.
Quellen
Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.
- Ovid, Fasti I: Janus spricht über sich selbst
- Livius, Ab Urbe Condita: die Türen des Janustempels
- Macrobius, Saturnalia I.9: Theologie des Janus
- Plutarch, Numa: Janustempel von Numa Pompilius geschlossen
