Bestiarium · Verlassene Industrieinsel
Hashima-Insel (Gunkanjima)
Hashima-Insel: die verlassene Kohlemineninsel vor Nagasaki. Einst der am dichtesten besiedelte Ort der Erde. 1974 geräumt. Die Betonwohnblocks stehen noch immer.
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Mitsubishi kaufte die Insel 1890 wegen der Kohleflöze unter dem umliegenden Meeresboden. 1916 errichtete das Unternehmen hier Japans ersten großen Wohnblock aus Stahlbeton. In den folgenden Jahrzehnten wurde der 6,3 Hektar große Felsen mit Gebäuden überzogen: Wohnungen, eine Schule, ein Krankenhaus, ein Kino, Geschäfte, ein Schrein und ein Gemeinschaftsbad. In den 1950er Jahren lebten hier mehr als 5.000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte lag bei über 83.000 Menschen pro Quadratkilometer – der höchste jemals irgendwo verzeichnete Wert.
Das Leben
Die Bewohner lebten in bis zu neun Stockwerke hohen Betonblöcken, die durch Korridore und Treppen miteinander verbunden waren. Grünflächen gab es keine. Frischwasser wurde vom Festland herübergeleitet. Taifune trafen die Insel regelmäßig, und die Seemauer, die den Felsen umgab, gab ihm seinen Spitznamen: Gunkanjima, „Schlachtschiff-Insel“, weil er aus der Ferne wie ein Kriegsschiff wirkte. Die Minenschächte reichten bis unter den Meeresboden. Unter Tage stiegen die Temperaturen auf 45 Grad Celsius.
Die Aufgabe
In den 1960er Jahren verlagerte sich Japans Energieversorgung von Kohle zu Erdöl. Mitsubishi schloss die Mine im Januar 1974. Die letzten Bewohner verließen die Insel am 20. April 1974. Sie nahmen ihre persönlichen Dinge mit. Alles andere ließen sie zurück: Möbel, Fernseher, Schulbücher, Schallplatten, Flaschen. Die Betongebäude stehen noch immer, zerfressen von salziger Luft und den Winden der Taifune. Die Innenhöfe wurden von Vegetation zurückerobert.
Heute
2015 nahm die UNESCO Hashima als Teil der „Stätten der industriellen Revolution Japans aus der Meiji-Zeit“ in die Welterbeliste auf. Bootstouren von Nagasaki aus ermöglichen Besuchern, einen begrenzten Teil der Insel zu betreten. Der Rest gilt statisch als unsicher. Südkorea hat gegen die UNESCO-Aufnahme Einwände erhoben und darauf hingewiesen, dass während des Zweiten Weltkriegs koreanische Zwangsarbeiter in den Minen arbeiteten. Zur Geschichte der Insel gehören daher sowohl industrielle Leistungen als auch Ausbeutung in Kriegszeiten.
