Bestiarium · Prähistorischer unterirdischer Tempel

Das Hypogäum von Ħal-Saflieni

Ein 5.000 Jahre alter unterirdischer Tempel, in den Kalkstein Maltas gehauen. Die Orakelkammer verstärkt die männliche Stimme so, dass sie die gesamte Anlage erfüllt. UNESCO-Welterbestätte. Nur 80 Besucher pro Tag.

Das Hypogäum von Ħal-Saflieni
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Das Hypogäum von Ħal-Saflieni ist ein neolithischer unterirdischer Tempel, der unter der maltesischen Stadt Paola in den Kalkstein gehauen wurde. Entdeckt wurde er zufällig im Jahr 1902, als Arbeiter beim Aushub von Zisternen für ein neues Wohnbauprojekt durch die Decke brachen. Drei Ebenen reichen elf Meter unter die Oberfläche hinab. Im Inneren wurden die Knochen von ungefähr 7.000 Menschen gefunden.

Die Orakelkammer

Die zweite Ebene enthält einen kleinen Raum, der mit erstaunlicher Präzision angelegt wurde. Spricht eine männliche Stimme bei einer Frequenz von etwa 110 Hz – also in einem tiefen Bariton –, hallt der Klang durch die gesamte Anlage. Der Effekt ist körperlich spürbar: Besucher berichten, dass sie die Schwingungen in Knochen und Brustkorb fühlen. Die gewölbte Decke und die eingearbeiteten Nischen wirken wie ein akustischer Verstärker.

Forschungen der Universität Malta und internationaler Akustikteams haben bestätigt, dass diese Resonanz kein Zufall ist. Die Kammer wurde so geformt, dass genau dieser Effekt entsteht. Ob die Erbauer die zugrunde liegende Physik verstanden oder die Eigenschaften durch Erfahrung entdeckten, weiß niemand. Das Ergebnis bleibt dasselbe: ein Raum, der aus einer einzelnen Stimme einen Klang macht, der ein ganzes Labyrinth erfüllt.

Der Raum

Die drei Ebenen umfassen insgesamt etwa 500 Quadratmeter. Die unterste Ebene ist ein grob aus dem Fels gehauener Lagerbereich. Die mittlere Ebene, auf der sich die Orakelkammer befindet, ist am aufwendigsten gestaltet: gewölbte Decken, Kraggewölbekammern und rote Ockerspiralen, die auf die Wände gemalt wurden. Die obere Ebene verbindet die Anlage mit der Oberfläche.

Die roten Ockermalereien gehören zu den ältesten erhaltenen Innenraumdekorationen Europas. Die Spiralmotive tauchen in der gesamten maltesischen Tempelkultur auf, doch eine allgemein anerkannte Deutung gibt es nicht.

Besuch

Das Hypogäum gehört zum UNESCO-Welterbe. Der Zugang ist streng auf 80 Besucher pro Tag begrenzt, die in Gruppen zu je zehn Personen eingelassen werden, um das Mikroklima zu schützen. Tickets müssen Wochen oder sogar Monate im Voraus über Heritage Malta gebucht werden. Fotografieren ist im Inneren nicht erlaubt.

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