Bestiarium · Bodhisattva des Mitgefühls
Guanyin
Guanyin: die Bodhisattva des Mitgefühls, die in ganz Ostasien verehrt wird. Ursprünglich männlich im indischen Buddhismus, wurde sie in China weiblich. Sie hört die Klagen der Welt.
Primärquellen
- Lotus-Sutra (Saddharmapuṇḍarīka-Sūtra), Kapitel 25: „Das universale Tor Guanyins“
- Herz-Sutra: Avalokiteśvara erkennt die Leerheit aller Phänomene
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Das Lotus-Sutra, einer der einflussreichsten buddhistischen Texte, widmet Avalokiteśvara ein ganzes Kapitel – dem Bodhisattva, der die Klagen der Welt vernimmt. Der Sanskritname bedeutet „Herr, der herabblickt“. Die chinesische Übersetzung, Guanshiyin (später zu Guanyin verkürzt), bedeutet „Wahrnehmerin der Laute der Welt“. Der Name beschreibt die Funktion: ein Wesen, das jeden Schrei des Leidens hört und darauf antwortet.
Der Geschlechterwandel
Im indischen Buddhismus war Avalokiteśvara männlich. In der chinesischen Kunst vor der Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.) erscheint der Bodhisattva männlich oder androgyn. Bis zur Song-Dynastie (960–1279) war die Verwandlung vollendet: Guanyin wurde als Frau in weißen Gewändern dargestellt, oft mit einem Weidenzweig und einer Vase mit reinem Wasser. Warum es zu diesem Wandel kam, ist umstritten. Eine Theorie besagt, dass die mit dem Bodhisattva verbundenen mitfühlenden, fürsorglichen Eigenschaften sich ganz natürlich mit chinesischen Vorstellungen von Weiblichkeit verbanden. Eine andere geht davon aus, dass Guanyin Eigenschaften einheimischer chinesischer Göttinnen aufnahm. Das Ergebnis war eine Gestalt, die in der ostasiatischen Volksreligion breiter verehrt wurde als jeder Buddha.
Die Praxis
Guanyin-Tempel stehen in ganz China, Japan (wo sie Kannon heißt), Korea (Gwaneum) und Vietnam (Quan Am). Seeleute beten vor einer Reise zu ihr. Frauen bitten sie um eine sichere Geburt und um Kinder. Kranke beten um Heilung. In der chinesischen Volksreligion wird sie oft neben dem Buddha und dem Jadekaiser als eine der drei wichtigsten Gestalten des Himmels eingeordnet. Das Herz-Sutra, das täglich in buddhistischen Tempeln in ganz Ostasien rezitiert wird, beginnt damit, dass Avalokiteśvara die Leerheit aller Phänomene erkennt.
Die tausend Arme
Eine beliebte Darstellung zeigt Guanyin mit tausend Armen, in deren Handflächen sich jeweils ein Auge befindet. Die Augen sehen das Leiden überall. Die Arme reichen in jede Richtung. Das Bild ist eine visuelle Darstellung des Bodhisattva-Gelübdes: allen Wesen zu helfen, ohne Grenze, ohne Rast.
Quellen
Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.
- Lotus-Sutra (Saddharmapuṇḍarīka-Sūtra), Kapitel 25: „Das universale Tor Guanyins“
- Herz-Sutra: Avalokiteśvara erkennt die Leerheit aller Phänomene
