Bestiarium · Mahnmal des Sklavenhandels / kolonialer Schrecken
Gorée-Insel
Gorée-Insel: der Sklavenhandelsstützpunkt vor Dakar, an dem Gefangene festgehalten wurden, bevor man sie über den Atlantik verschiffte. Die Tür ohne Wiederkehr blickt auf den Ozean.
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Die Gorée-Insel liegt drei Kilometer vor der Küste Dakars. Sie ist klein, ungefähr 900 Meter lang und 350 Meter breit. Zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert wechselte sie zwischen portugiesischer, niederländischer, englischer und französischer Herrschaft. Jede dieser Kolonialmächte nutzte sie in unterschiedlichem Maß als Stützpunkt im atlantischen Sklavenhandel.
Die Maison des Esclaves
Das Haus der Sklaven wurde 1776 als Wohnsitz eines Kaufmanns mit Haftzellen im Erdgeschoss errichtet. Der Kurator des Gebäudes, Boubacar Joseph Ndiaye, machte den Ort ab den 1960er Jahren als letzten Abfahrtspunkt für Millionen versklavter Afrikaner bekannt. Die „Tür ohne Wiederkehr“ an der Rückseite des Gebäudes öffnet sich direkt zum Meer. Besucher, darunter Nelson Mandela, Barack Obama und Papst Johannes Paul II., haben in diesem Türrahmen gestanden.
Die Debatte
Historiker haben infrage gestellt, ob über Gorée tatsächlich die Zahl versklavter Menschen abgewickelt wurde, die Ndiaye nannte. Philip Curtin und andere Forscher argumentierten, die wichtigsten Sklavenhandelshäfen hätten anderswo an der westafrikanischen Küste gelegen: Ouidah, Elmina, Badagry. Über Gorée könnten Hunderte statt Millionen Menschen gegangen sein. Die Debatte dreht sich um Zahlen, nicht um die Realität des Handels. Zwölf Millionen Menschen wurden über den Atlantik verschifft. Ob jeder einzelne durch genau diese Tür ging, ist für Historiker von Bedeutung. Die Tür selbst ist zu einem Symbol geworden, das über ihre dokumentarische Geschichte hinausreicht.
Die Insel heute
Gorée ist UNESCO-Welterbestätte. Die Insel ist ruhig, farbenfroh und autofrei. Künstler und Musiker leben in den Gebäuden aus der Kolonialzeit. Die Maison des Esclaves empfängt jedes Jahr mehr als 200.000 Besucher. Die Tür ohne Wiederkehr weist nach Westen, zu den Amerikas, zu dem Ozean, der Familien für immer voneinander trennte.
