Bestiarium · Totengott / Zerstörer

//Gaunab

//Gaunab, der Zerstörer: der Totengott der Nama, der am Rand einer bodenlosen Grube sitzt und Seelen auffängt. Ewiger Gegenspieler von Tsui-//Goab. Verbunden mit Wirbelwinden, Dunkelheit und dem Ende aller Dinge.

//Gaunab
Typ Totengott / Zerstörer
Herkunft Nama / Khoikhoi (Südliches Afrika)
Zeitraum Vorkoloniale mündliche Überlieferung; 1881 dokumentiert (Hahn)
Primärquellen
  • Hahn, Theophilus, Tsuni-||Goam: The Supreme Being of the Khoi-Khoi (1881)
  • Schapera, Isaac, The Khoisan Peoples of South Africa (1930)
  • Hoernlé, A.W., The Social Organization of the Nama and Other Essays (1985)
Schutzmaßnahmen
  • Das Werfen von Steinen auf Wirbelwinde vertreibt //Gaunab
  • Steinhaufen an Gebirgspässen markieren die Grenze seines Herrschaftsbereichs
  • Gebete an Tsui-//Goab an Steinhaufen bitten ausdrücklich um Schutz vor //Gaunab
Verwandte Wesen
Underworld Ruler
Cosmic Principle
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Er sitzt am Rand einer Grube ohne Boden. Die Seelen der Toten stürzen an ihm vorbei. Diejenigen, die er fängt, werden vernichtet. Diejenigen, die ihm entgleiten, erreichen, was auch immer dahinter liegt. Er jagt nicht. Er verfolgt nicht. Er wartet.

//Gaunab ist der Zerstörer in der Kosmologie der Nama und Khoikhoi, das dunkle Gegenstück zum Heldengott Tsui-//Goab. Theophilus Hahn dokumentierte ihn 1881 zusammen mit seinem Widersacher. Wo Tsui-//Goab Regen bringt, bringt //Gaunab Dürre. Wo Tsui-//Goab schützt, sendet //Gaunab Krankheit. Ihr Kampf ist der Motor des Kosmos, und er endet nicht.

Die Grube

Das zentrale Bild von //Gaunab in der Überlieferung der Nama ist die Grube. Er sitzt in der Dunkelheit an ihrem Rand, und die Toten müssen an ihm vorbei. Die Geografie des Jenseits ist in dieser Erzählung einfach und schrecklich: ein Vorsprung, ein Abgrund und eine Gestalt, die darauf wartet, dich zu packen.

Hahn verglich das mit dem griechischen Hades, und die strukturelle Parallele ist tatsächlich da. Ein dunkler Gott, ein unterirdischer Bereich, Seelen auf dem Weg hindurch. Aber //Gaunab ist kein Herrscher der Toten im griechischen Sinn. Er regiert kein Reich in der Tiefe. Er vernichtet einfach, was er zu fassen bekommt. Es gibt keinen Hof, kein Urteil, keinen Fluss, den man überqueren müsste. Es gibt nur eine Grube und eine Hand, die nach dir greift.

Die Wirbelwinde

Die Nama brachten //Gaunab mit Wirbelwinden in Verbindung. Schapera hielt in The Khoisan Peoples of South Africa (1930) fest, dass die Nama Steine auf Staubwirbel warfen, um //Gaunab zu vertreiben. Ein Wirbelwind war //Gaunab, der sich durch die sichtbare Welt bewegte, und die richtige Reaktion darauf war Angriff, nicht Rückzug.

Die Praxis ist konkret und körperlich. Du siehst einen Wirbelwind über das Buschland der Namib auf dich zukommen. Du hebst einen Stein auf. Du wirfst ihn. Das ist nicht symbolisch. Der Stein ist eine Waffe, und der Wirbelwind ist ein Feind.

Die Steinhaufen an Gebirgspässen erfüllten eine verwandte Funktion. Sie markierten die Grenze zwischen dem Bereich der Lebenden und dem Gebiet von //Gaunab. Die Gebete, die an diesen Steinhaufen gesprochen wurden, baten Tsui-//Goab, //Gaunab auf Abstand zu halten. Jeder hinzugefügte Stein war eine Stimme für die Lebenden gegen die Toten.

Wusstest du?

Die Nama warfen Steine auf Wirbelwinde, um //Gaunab zu vertreiben. Staubwirbel galten als der Zerstörer, der sich durch die sichtbare Welt bewegte. Die Antwort darauf war weder Gebet noch Flucht. Es war ein geworfener Stein.

Der notwendige Zerstörer

//Gaunab ist nicht böse in dem Sinn, in dem die westliche Theologie dieses Wort verwendet. Er ist das notwendige zerstörerische Prinzip in einem Kosmos, der sowohl Schöpfung als auch Zerstörung braucht, um zu funktionieren. Ohne //Gaunab gäbe es keinen Tod. Ohne Tod gäbe es keinen Wandel. Die Nama strebten nicht nach einer Welt ohne //Gaunab. Sie strebten nach einer Welt, in der Tsui-//Goab öfter siegte, als er verlor.

Dieser Dualismus unterscheidet sich von zoroastrischen oder christlichen Modellen. Ahura Mazda wird Ahriman am Ende besiegen. Gott wird Satan besiegen. Die gute Seite gewinnt dauerhaft. In der Kosmologie der Nama gewinnt niemand dauerhaft. Tsui-//Goab gewinnt diesen Kampf und wird verwundet. //Gaunab kehrt für den nächsten zurück. Jeden Morgen bricht der Sonnenaufgang durch die Dunkelheit, und jeden Abend kehrt die Dunkelheit zurück. Das System ist zyklisch, nicht eschatologisch. Es gibt keinen endgültigen Sieg. Es gibt nur die fortwährende Anstrengung, die Welt in Bewegung zu halten.

Quellen

Bibliographie. Dieselbe Liste findet sich auch im Frontmatter des Artikels für Zitationswerkzeuge, die diese Daten maschinell auslesen.

  • Hahn, Theophilus, Tsuni-||Goam: The Supreme Being of the Khoi-Khoi (1881)
  • Schapera, Isaac, The Khoisan Peoples of South Africa (1930)
  • Hoernlé, A.W., The Social Organization of the Nama and Other Essays (1985)
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