Kompendium · Visionäres Kloster / Heilige Ruine
Disibodenberg: Hildegards Berg
Die Klosterruine im Nahetal, in der Hildegard von Bingen 38 Jahre lebte und jene Visionen empfing, die sie als lebendiges Licht beschrieb. Mit acht Jahren wurde sie dort in eine Zelle eingeschlossen.
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Disibodenberg ist eine Klosterruine auf einem Hügel im Nahetal in Rheinland-Pfalz. Das Kloster wurde im 7. Jahrhundert vom irischen Mönch Disibod gegründet und entwickelte sich zu einer benediktinischen Gemeinschaft. Seine berühmteste Bewohnerin kam als Kind hierher und blieb fast vier Jahrzehnte.
Hildegards Einschließung
1112 wurde Hildegard im Alter von acht Jahren gemeinsam mit ihrer Lehrerin Jutta von Sponheim in eine an die Klosterkirche angebaute Zelle eingeschlossen. Diese Form der Einschließung, im mittelalterlichen religiösen Leben durchaus üblich, bedeutete, dass die Zelle versiegelt wurde. Hildegard lebte hinter diesen Mauern, erhielt ihr Essen durch ein Fenster, betete nach den klösterlichen Gebetszeiten und studierte die Heilige Schrift. Sie sollte bis 1150 auf dem Disibodenberg bleiben.
Die Visionen
Hildegard berichtete, seit ihrem dritten Lebensjahr Visionen zu erleben, doch sie hielt sie bis 1141 geheim. Damals empfing sie, wie sie sagte, den Auftrag, sie niederzuschreiben. Die Visionen erschienen ihr als ein „lebendiges Licht“, das sie bei vollem Bewusstsein mit den inneren Augen sah. Sie diktierte sie ihrem Sekretär Volmar. Das daraus entstandene Werk Scivias zog die Aufmerksamkeit von Papst Eugen III. auf sich, der ihr erlaubte, weiterzuschreiben.
Aufbruch und Verfall
1150 verließ Hildegard den Disibodenberg, um auf dem Rupertsberg ihr eigenes Kloster zu gründen. Sie nahm ihre Nonnen und deren Mitgiften mit sich. Die Mönche protestierten gegen den finanziellen Verlust. Das Kloster bestand noch mehrere Jahrhunderte weiter, bevor es zur Ruine verfiel. Heute lassen sich die Grundmauern von Hildegards Zelle noch immer zwischen den überwucherten Mauern erkennen, und vom Hügel aus blickt man auf den Zusammenfluss von Nahe und Glan tief unten im Tal.
