Diana
Primärquellen
- Strabon, Geographika V.3.12: der Rex Nemorensis in Nemi
- Frazer, The Golden Bough (1890/1922): Diana von Nemi als zentraler Fall
- Ovid, Metamorphosen: Diana und Aktäon
- Catull, Gedicht 34: Hymnus an Diana
Verwandte Wesen
Der heilige Hain der Diana Nemorensis stand am Ufer des Nemisees in den Albaner Bergen südlich von Rom. Strabon beschrieb das Ritual, das dort galt: Ein entflohener Sklave konnte den Hain betreten, einen Zweig von einem bestimmten Baum brechen und den amtierenden Priester zum Zweikampf herausfordern. Wenn er gewann, wurde er zum neuen Rex Nemorensis, zum König des Hains. Er behielt das Amt, bis ihn jemand tötete.
Frazers Frage
James George Frazer eröffnete The Golden Bough im Jahr 1890 mit diesem Ritual und nannte es „die rätselhafteste Legende der ganzen klassischen Antike“. Seine Antwort, die sich über zwölf Bände erstreckte, verband den Priesterkönig von Nemi mit Traditionen des sakralen Königtums in aller Welt: mit der Vorstellung, dass ein König das Leben des Landes verkörpert und getötet werden muss, wenn seine Kraft nachlässt. Ob Frazer mit dieser Antwort recht hatte, ist bis heute umstritten. Die Frage war die richtige.
Die Göttin
Diana war eine Göttin der Grenzbereiche. Sie wachte über die Grenze zwischen Wildnis und Kulturland, zwischen Tier und Mensch, zwischen Lebenden und Toten. Sie jagte mit Bogen und einem Rudel Hunde. Sie beschützte Frauen bei der Geburt. Verehrt wurde sie von den unteren Schichten, von Sklaven und von Frauen, von den Menschen an den Rändern der römischen Gesellschaftsmacht.
Der Mond
Diana wurde mit dem Mond gleichgesetzt, Hekate mit dem unterweltlichen Aspekt des Mondes und Luna mit dem Himmelskörper selbst. Zusammen bildeten die drei eine dreifache Mondgöttin: Diana auf der Erde, Luna am Himmel, Hekate in der Tiefe. Catull sprach alle drei Gestalten in einem einzigen Hymnus an. Die Einteilung war römisch. Die Funktion ist älter.
