Dazhbog

Dazhbog
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Der Name bedeutet „der gebende Gott“. Das erste Element, dažd’, ist ein Imperativ: gib. Dazhbog ist der Gott, der gibt. Was er gibt, sind Sonnenlicht, Wärme und der Wohlstand, der daraus erwächst.

Quellen

Dazhbog erscheint in zwei zentralen ostslawischen Texten. Die Nestorchronik führt ihn unter den sechs Göttern auf, deren Götzenbilder Wladimir im Jahr 980 n. Chr. in Kiew errichten ließ. Die Hypatiuschronik macht die Beziehung in einer slawischen Glosse, die in eine Übersetzung des byzantinischen Chronisten Johannes Malalas eingefügt wurde, ausdrücklich: Svarog wird mit dem griechischen Hephaistos, dem Schmiedegott, gleichgesetzt, und „nach ihm herrschte sein Sohn, genannt die Sonne, und dieser heißt Dazhbog“. Die Sonne ist der Sohn des Himmelsschmieds.

Das Slovo o polku Igoreve, das Rus-Epos des 12. Jahrhunderts über Fürst Igors gescheiterten Feldzug gegen die Kumanen, nennt das Volk der Rus „Dazhbogs Enkel“. Das ist ein Anspruch auf nationale solare Abstammung. Die Sonne zeugte das Volk – oder zumindest meinte der Dichter, dass diese Vorstellung auch zwei Jahrhunderte nach der Christianisierung noch Gewicht hatte.

Khors und Dazhbog

Sowohl Khors als auch Dazhbog erscheinen in Wladimirs Pantheon, und beide stehen mit der Sonne in Verbindung. Manche Forscher meinen, sie verkörperten zwei Aspekte desselben Phänomens: Khors als physische Sonnenscheibe (von einer iranischen Wurzel her) und Dazhbog als die schöpferische, spendende Kraft des Sonnenlichts. Andere behandeln sie als getrennte Gottheiten aus unterschiedlichen kulturellen Schichten – die eine iranisch, die andere slawisch –, die von einem Fürsten, der seine Macht festigte, in einem einzigen Pantheon zusammengeführt wurden.

Nach der Christianisierung

Dazhbog hinterließ weniger Spuren im Volksglauben als Perun, Veles oder Mokosch. Sein Name lebt in der südslawischen Tradition und in verstreuten Ortsnamen weiter. Seine solare Funktion ging teils auf Christus, teils auf den heiligen Elias über und löste sich teils im allgemeinen christlichen Deutungsrahmen auf, in dem die Sonne keinen eigenen Schutzpatron mehr brauchte.

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