Bestiarium · Tor zur Hölle / Versiegelter Fluch
Burg Houska
Eine böhmische Burg aus dem 13. Jahrhundert, errichtet über einem bodenlosen Schacht, der als Tor zur Hölle gilt. Die Wehrmauern zeigen nach innen. Keine Wasserquelle, keine Küche, keine Bewohner. Die Kapelle liegt direkt über dem Loch.
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Burg Houska liegt etwa fünfzig Kilometer nördlich von Prag in der Region Liberec. Sie wurde im 13. Jahrhundert während der Herrschaft Ottokars II. von Böhmen erbaut. Sie hat keine Wasserquelle. Sie hat keine Küche. Sie hat keine nach außen gerichteten Befestigungen. Die Wehrmauern zeigen nach innen, zum Burghof und zu dem, was darunter liegt.
Der Schacht
Der lokalen Überlieferung nach wurde die Burg über einem bodenlosen Schacht errichtet. Dieser Schacht galt als Tor zur Hölle oder zu einem Reich unter der Erde, aus dem nachts halb tierische Wesen hervorkamen. Laut dem tschechischen Chronisten Václav Hájek, der 1541 darüber schrieb, ließ man zum Tode verurteilte Gefangene an Seilen in das Loch hinab. Diejenigen, die man wieder heraufzog, waren um Jahrzehnte gealtert und schrien von den Dingen, die sie dort unten gesehen hatten.
Die Kapelle des Erzengels Michael wurde direkt über dem Schacht errichtet. Ihr Boden versiegelte ihn. Die Burg war die Befestigung der Kapelle: ein Bauwerk, das nicht als Wohnsitz oder militärischer Stützpunkt gedacht war, sondern als Einschlussstruktur.
Die Architektur
Houska hat keinen strategischen Wert. Sie bewacht keine Handelsroute, überblickt keinen Flussübergang und kontrolliert keinen Pass. Sie wurde nie belagert, weil es nichts gab, wofür man sie hätte belagern sollen. Über weite Teile ihrer Geschichte hatte sie keine ständigen Bewohner. Das Gebäude existiert nur zu dem einen Zweck, auf etwas zu sitzen.
Die nach innen gerichteten Mauern sind das Detail, das Besuchern zuerst auffällt. In einer gewöhnlichen Burg schützen die Verteidigungsanlagen die Bewohner vor Angriffen von außen. In Houska sind die Befestigungen so ausgerichtet, dass sie etwas daran hindern sollen, das Innere zu verlassen. Ob das eine bewusste architektonische Entscheidung war oder eine moderne Umdeutung eines Bauwerks, das schlicht auf seinen Innenhof ausgerichtet war, ist umstritten. Die Wirkung auf Besucher ist dieselbe.
Die Besetzung durch die Nazis
Während des Zweiten Weltkriegs war Houska von 1939 bis 1945 von der SS besetzt. Sie vernichtete alle Aufzeichnungen über ihre Aktivitäten an diesem Ort. Was sie in der Burg taten, ist bis heute unbekannt. Das Gebäude war in schlechtem Zustand, als sie kamen, und in noch schlechterem, als sie gingen.
Besuch
Burg Houska ist saisonal für Besucher geöffnet, in der Regel von April bis Oktober. Sie befindet sich in Privatbesitz. Die Kapelle mit ihren Fresken ist zugänglich. Der Schacht unter dem Kapellenboden ist versiegelt. Von Prag aus ist die Burg in etwa einer Stunde mit dem Auto zu erreichen.
