Bestiarium · Liebesgöttin

Aphrodite

Aphrodite: die griechische Göttin der Liebe, Schönheit und Begierde. Geboren aus dem Meeresschaum dort, wo die abgetrennten Genitalien des Uranos ins Wasser fielen. Sie war nicht sanft. Sie vernichtete jeden, der ihre Macht leugnete.

Aphrodite
Typ Liebesgöttin
Herkunft Griechisch (nahöstliche Ursprünge; Parallelen zu Ishtar/Astarte)
Zeitraum Mykenische Zeit – 4. Jahrhundert n. Chr.
Primärquellen
  • Hesiod, Theogonie: Geburt aus den abgetrennten Genitalien des Uranos
  • Homer, Ilias und Odyssee: Aphrodite in Troja
  • Homerischer Hymnos an Aphrodite
  • Sappho, Fragmente: Gebete und Hymnen an Aphrodite
Verwandte Wesen
Earth Mother
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Hesiods Theogonie gibt Aphrodite die gewaltsamste Geburt der griechischen Mythologie. Als Kronos seinen Vater Uranos entmannte und die abgetrennten Teile ins Meer warf, sammelte sich Schaum um sie. Aus diesem Schaum erhob sich Aphrodite und trieb bis an die Küste Zyperns. Das Wort aphros bedeutet „Schaum“. Diese Etymologie ist volkstümlich, nicht sprachwissenschaftlich. Ihr eigentlicher Ursprung liegt im Nahen Osten.

Ishtars Enkelin

Die phönizische Astarte, die mesopotamische Ishtar und die sumerische Inanna gingen Aphrodite um Jahrtausende voraus. Alle waren Göttinnen der Liebe, des Krieges und der Sexualität. Aphrodites wichtigstes Kultzentrum war Paphos auf Zypern, ein phönizischer Handelsplatz. Diese Verbindung ist keine Rekonstruktion aus ein paar Bruchstücken. Sie ist archäologisch sichtbar: Der Tempel von Paphos setzte phönizische Kultpraktiken unter einem griechischen Namen fort.

Die Zerstörerin

Aphrodite war nicht sanft. Sie verursachte den Trojanischen Krieg, indem sie Paris beim Urteil des Paris Helena, die schönste sterbliche Frau, als Bestechung versprach. Als Hippolytos, ein Verehrer der Artemis, Aphrodites Herrschaftsbereich zurückwies, indem er ewige Jungfräulichkeit schwor, ließ sie seine Stiefmutter Phaidra in Liebe zu ihm entbrennen. Das Ergebnis war eine falsche Anschuldigung, ein Fluch seines Vaters Theseus und Hippolytos, der von seinen eigenen Pferden zu Tode geschleift wurde. Aphrodite duldete keine Zurückweisung.

Sappho

Die Dichterin Sappho von Lesbos, die im 6. Jahrhundert v. Chr. schrieb, verfasste den persönlichsten erhaltenen Hymnus an Aphrodite. Sie bat die Göttin zu kommen, wie sie schon früher gekommen war, um in der Liebe zu helfen. Der Ton ist intim: eine Frau, die sich an eine Göttin wendet, die ihr schon einmal geholfen hat und wieder helfen wird. Sapphos Aphrodite ist keine kosmische Macht. Sie ist eine Vertraute.

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