Marasa (Marassa)
Divine Twins / Lwa Haitian Vodou; twin veneration from Kongo and West African traditionsDie Marasa sind die göttlichen Zwillinge des haitianischen Vodou, und die Tradition räumt ihnen Vorrang vor allem anderen in der Zeremonie ein – mit Ausnahme von Papa Legba. Alfred Métraux beschrieb den Kult in Voodoo in Haiti (1959) anhand seiner Feldforschung im Marbial-Tal: Den Zwillingen und den verstorbenen Zwillingen einer Familie steht regelmäßige Speisung zu; das jährliche Manger-Marassa fällt auf den Dreikönigstag, den Karsamstag oder den ersten Weihnachtstag. Ein großes Humfo serviert mitunter fünfzig Gerichte, geordnet nach Nationen. Das Paar wird zudem als Dreizahl gerechnet. Das unmittelbar nach Zwillingen geborene Kind – Dosu oder Dosa genannt – vereint die Kraft beider, und Métraux überlieferte das Sprichwort, dass der Dosu stärker sei als die Marassa und mächtiger als die Loa selbst. Marassa Trois oder Marassa Twa im Kreyòl ist der Name dieser dreifachen Gestalt, auf der die Literaturkritikerin Vèvè A. Clark eine ganz eigene Lesemethode aufbaute: Eins plus eins ergibt drei. Die Etymologie bleibt eine offene Frage: Im haitianischen Kreol bedeutet Marasa Zwilling, und die Standardherleitung verweist auf das Bantu-Wort Mapasa – doch diese These stützt sich eher auf lautliche Ähnlichkeit als auf eine lückenlos belegte Überlieferungskette.